Posts mit dem Label Essen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Essen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 29. Oktober 2019

New Orleans: ein Fragebogen mit Maurice Carlos Ruffin

Maurice Carlos Ruffin schreibt Kurzgeschichten und Essays. 2019 erschien sein erster, viel gelobter Roman We Cast A Shadow. Bis Frühjahr 2019 arbeitete er auch als Anwalt.
Hier seine Antworten:

New Orleans ist... schön, schwierig, seltsam.

Mein Lieblingsplatz in New Orleans: An der Straßenbahn auf der St. Charles Avenue. Ich jogge  gern dort. Ich schaue mir die Leute an und mag es, die feuchte Luft auf der Haut zu spüren.*

Mein Lieblingsgebäude in New Orleans: Der First Bank and Trust Tower ist eine Stilmischung. Ein bisschen Art Deco, ein bisschen Bauhaus.**

Mein Lieblingsessen aus New Orleans: Gumbo. Es schmeckt und verbindet mich mit meinen Vorfahren.***

Mein Lieblingsmusiker aus New Orleans: Kermit Ruffins (keine Verbindung).

Mein Lieblingstext über New Orleans: Sarah Brooms The Yellow House ist über den Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin. Niemand sonst hat so leidenschaftlich und prägnant darüber geschrieben.****

Mein Lieblingsfilm über New Orleans: Girls Trip. Die Frauen sind witzig!

Mein Lieblingswort oder -ausdruck aus New Orleans: ya heard.

Treffendster Spitzname für New Orleans: The Big Easy.

Liebste, hier nicht genannte Sache aus New Orleans: Wir haben im Sommer die besten Snowballs.*****

Wer sollte Bürgermeister von New Orleans sein? Präsident Obama. Es würde ihm hier gefallen.

Wie kann die Mordrate in der Stadt gesenkt werden? Schluss mit der Masseninhaftierung, bessere Bildung und Zugang zu finanziellen Ressourcen.

Was ich an New Orleans am wenigsten mag: Wir brauchen lange, bis sich was ändert.

Was die meisten nicht über New Orleans wissen: Es ist weltberühmt, aber eigentlich ist es ziemlich klein. 

Warum ich in New Orleans lebe: Ich bin von hier. Ich liebe meine Stadt.

Meine New-Orleans-Expertise: Ich bin hier geboren.

*Die St. Charles Avenue ist vielleicht die schönste Straße in New Orleans und führt von Downtown über das Central Business District (CBD), das Garden District, bis zur Carollton Street. Sie soll 7 Meilen lang sein (11 Kilometer). Auf dem Mittelstreifen (neutral) fährt die Straßenbahn mit einem historischen Wagen. In Uptown laufen dort viele Jogger.
** Im CBD, 909 Poydras Street. Das Gebäude wurde 1987 fertiggestellt, ist 481 Meter hoch und hat 36 Stockwerke.
*** Meine Erklärung von 2011: Gumbo (sprich Gambo): Manche nennen es Cajun Bouillabaisse. Eine dicke Suppe mit frischem Gemüse und Meeresfrüchten, meistens mit Okraschoten und meistens auf der Basis von roux. Sehr würzig, mit Tabasco-Sauce und Kräutern. Außerdem filé, zermahlene Sassafras-Blätter. Das Wort Gumbo soll von dem afrikanischen Wort für Okra stammen.
**** Sarah Brooms Memoir ist im August erschienen und für den National Book Award in Non-Fiction nominiert.
***** Geschabtes Eis mit Fruchtsirup. Sehr erfrischend.

New Orleans Questionnaire: Maurice Carlos Ruffin

Maurice Carlos Ruffin is author of a novel, We Cast A Shadow, that came out in 2019. He writes short stories and essays and worked as a lawyer until this year.

New Orleans is... beautiful, challenging, strange.

Favorite place in New Orleans: The St. Charles Avenue Streetcar line. I love to jog it. It's great for people watching and feeling the humid air on my skin.

Favorite building: The First Bank and Trust Tower is a mixture of styles. It's a litte art deco, a little Bauhaus.* 

Favorite New Orleans food: Gumbo. It's delicious and connects me to my ancestors.

Favorite New Orleans musician/s: Kermit Ruffins (no relation).

Favorite piece of writing on New Orleans: Sarah Broom's The Yellow House is about the neighborhood where I grew up. No one has written about it with such a passionate, keen eye.

Favorite New Orleans movie: Girls Trip. Those ladies are so funny.

Favorite New Orleans word or expression: ya heard.

Most apt New Orleans nickname: The Big Easy. 

Favorite New Orleans thing not mentioned here: We have the best snowballs in summer.

Who should be mayor of New Orleans? President Obama. He'd like it here.

How can the city lower its murder rate? Stop with the mass incarcerations, improve education, and grant access to financial resources.

The thing I like least about New Orleans: We take a long time to change.

What people don't know about New Orleans is: It is world famous, but it is really a small town.

Why I live in New Orleans: It's where I'm from. I love it.

My expertise on New Orleans: I'm a native.



* The First Bank and Trust Tower is located on 909 Poydras Street in the Central Business District (CBD). It is 36 stories and 481 feet high and was completed in 1987.

Samstag, 15. April 2017

Zwei New-Orleans-Krimis von Joy Castro

Ich habe zwei Krimis von Joy Castro gelesen: Tödlicher Sumpf (Hell or High Water) in der sehr lesbaren Übersetzung von Susanne Wallbaum (dtv 2013) und Nearer Home (St. Martin's Press 2013), den zweiten in der Serie, im Original. Beide spielen in New Orleans und sind spannend, wenn auch eigentlich keine richtigen Krimis. Die Ermittelnde ist hier eine junge Reporterin, Nola Céspedes, die New Orleans aus einer interessanten, Latina-geprägten Perspektive zeigt, eine kulturelle Facette der Stadt, die eigentlich erst nach Katrina so recht an Bedeutung gewonnen hat. Die Autorin weiß, wovon sie redet, und die Stadt und die beschriebenen Schauplätze sind wiederzuerkennen, und nicht nur deshalb habe ich es gern gelesen.
Nola ist eine ungewöhnliche (auf Englisch würde man wohl sagen: unlikely) Heldin. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen mit alleinstehender, kubanischer Mutter, lebt in einer WG, ist links, engagiert sich als ehrenamtliche Big Sister für ein Mädchen aus ein mexikanischen Einwandererfamilie, hat eine illustre Freundinnenrunde wie aus Sex and the City und ist eine begabte Journalistin. Dann hat sie noch ein äußerst riskantes, eher sportliches Sexleben, das sich später aus einer Missbrauchgeschichte erklärt. Genau bei einem solchen Abenteuer lernt sie einen Traumprinzen in Form eines fußballspielenden spanischen Umweltwissenschaftler-Gentlemans und Sexhengstes kennen. Und irgendwie sind alle wichtigen kulturellen Eckpunkte abgehakt: Nola hat an der Tulane-University studiert, sie arbeitet bei der New Orleans Times-Picayune, sie fährt nach Grand Isle, wo sie an Kate Chopins Buch Das Erwachen denkt und sich vor Haien fürchtet, die sich dann als Delfine herausstellen; ihr schwuler isrealischer Mitbewohner arbeitet im edlen Columns Hotel auf der St. Charles Avenue.
Dann wäre da noch die eigentliche Krimihandlung, und die überzeugt nur bedingt. In Tödlicher Sumpf recherchiert Nola zur Rehabilitation von Sextätern, durchweg unheimliche und unheilbare, nicht geheilt werden wollende, hoffnungslose Fälle, klärt dabei das Verschwinden einer jungen Frau auf und rettet eine zweite. In Nearer Home entdeckt sie beim Joggen im Park die Leiche ihrer früheren Journalistikprofessorin und fängt an zu ermitteln, wobei sie deren Recherchen zu Korruptionsfällen und den Verzweigungen in der politischen Ebene vertieft. Beides wichtige Themen mit einer politischen Dimension, aber kein stringenter Whodunit.
Der zweite Band ist noch nicht auf Deutsch erschienen, aber auch er liest sich schnell weg. Das umgebende Personal ist weiterhin charmant, aber die Beziehung bröckelt etwas. Doch Nola entwickelt sich persönlich weiter, hadert mit ihrer Beziehung, bleibt aber dran, lernt ihre Mutter und ihre Freundinnen besser kennen usw. Beide Hauptfiguren, die junge Nola Céspedes und New Orleans, sind wirklich gut getroffen. Und vermutlich haben es alle gleich gemerkt, Nolas Vorname ist zugleich ein Kurzwort für New Orleans, Louisiana (LA. ist das Kürzel für Louisiana in der Postanschrift).
Lesbar!

Anhang: Natürlich habe ich mir auch die sehr gelungene Übersetzung angesehen und an einigen Stellen noch etwas weiterrecherchiert.
Virginia-Eichen:  Das ist die deutsche Übersetzung für live oaks, die man im Internet findet, aber ich verwende sie aus mehreren Gründen nicht. Vor allem erinnert „Virginia“ an den Bundesstaat, was ich  irreführend finde, weil der etwa 1600 Kilometer entfernt und deutlich weiter nördlich liegt und diese Eichen dort nicht so häufig, so alt und so für die Landschaft prägend sind wie in Louisiana. Außerdem mag ich die „existentielle“ Komponente des Namens und nenne sie deshalb Lebenseichen. kreolisches Drei-Zimmer-Cottage: Ein Creole Cottage ist ein für Louisiana typischer Haustyp, meist klein, eingeschossig mit Dachboden und symmetrischen Eingängen.
Den Mississippi höre ich nicht:  Darüber habe ich mich gewundert, aber bestimmt steht es so im Original. New Orleans ist eine richtige Stadt, da hört man den Fluss nicht, höchstens an manchen Stellen den Hafen oder  das Hupen der Frachtschiffe.
Esplanade-Grat:  Es geht um den Stadtteil Esplanade Ridge und eine kleine höhere Stelle zwischen den tiefer gelegenen, insgesamt etwa 1,20 – 1,50 Meter höher als das umliegende Gelände. „Grat“ ist vielleicht nicht ganz passend, weil es auch  darum ging, dass N.O. unter dem Meeresspiegel liegt.
Gekochter Crawfish:  Bei einem Crawfish Boil werden auf jeden Fall Krebse gekocht, aber es geht auch um das Drum- und Dran. Es ist eine riesige Sause, meistens im Freien mit vielen Leuten, riesige Pötte mit Crawfish, Kartoffeln und Gemüse, die in Wasser gekocht und dann auf Zeitungspapier auf dem Tisch (meistens langen Biertischen) ausgeschüttet werden. Um den Tisch sitze alle herum,  pulen für sich die Krebse,  fischen das Gemüse heraus und essen mit den Händen.
Momentan läuft der Lokalsender NPR:  National Public Radio ist kein Lokalsender bzw. gar kein eigentlicher Sender. Es ist ein unabhängiges nationales Radio-Verteiler-und Produktions-Netzwerk mit bestimmten Nachrichten- und vielen anderen Sendungen usw., die über lokale Sender ausgestrahlt werden. In New Orleans heißt dieser Sender WWNO und sendet morgens und nachmittags/abends Sendungen von NPR und ansonsten klassische Musik. (Ich habe bei WWNO mal bei einer Spendenkampagne ausgeholfen.) NPR hat nur einen eigenen Sender – hier in Berlin, noch bis Sommer 2017.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Rerun: Dear Universe


This is an entry I wrote on a sunny, louvered porch in Donaldsonville, Louisiana, last fall.

Tuesday, 18 September 2012
Dear Universe,

You’re probably wondering why my ecological footprint has exploded over the past two weeks, why I’m trampling the environment with gigantic shoes. The answer is simple: I’m in the USA. And because I’m just visiting, I can’t arrange things the way I’d like them.
First, the transportation: airplanes brought me and my baggage here, more than 8,200 kilometers (some 5,100 miles), and hopefully they’ll bring me back the more than 8,500 kilometers (some 5,300 miles) in one piece. In the process, they release incredible amounts of emissions directly into the vulnerable sky. Fortunately I do this very rarely, and the next time I get paid, I’ll make a donation and ask for atonement. 
Then I’ve got a little rental car, which I don’t use every day, since I’m spending time staying with lots of nice people, but it is covering a considerable distance (around 1,000 miles so far). Unfortunately this is essential, because otherwise I’d be dependent on other people chauffeuring me around to an extent that perhaps famous writers could reckon with. And while I’m here I can’t be so strict about my vegetarian diet, and so the airplanes will have a heavier load to take back, and countless animals, above all cows, will have died for my sake, of course not without previously releasing large quantities of methane into the atmosphere. (Forgoing meat and milk products, I recently heard in an episode of Freakonomics on NPR, here, is the surest way to eat an environmentally friendly diet. Unfortunately, this show doesn’t run on NPR Berlin.)
And then the trash: all the disposable cups and silverware and packaging used on the flight alone, even though it supposedly gets recycled! Here all the coffee shops serve everything with paper cups, plates and bags, and when I ask for tap water, I’m given it in a thin, transparent cup that tastes obnoxiously of plastic the very second time you use it. At least I do without the straws now.
Then there’s the air conditioning, always running and usually much too cold for me. At a reading in the Baton Rouge Gallery on Sunday it was set at 71° Fahrenheit, when it was about 96° outside! Now I’m sitting completely un-air conditioned on a screened-in veranda, and after just a few days in Louisiana I feel that I have a sort of fresh glow. Not because of the air conditioning, but despite it…
I admit that there’s also a certain clandestine attraction to living as carelessly and excessively as most Americans. But in just a week, dear Universe, I’ll be good again, saving and recycling, riding my bike, walking, running to the train and riding it and letting countless animals live. See you then!
Translated by Isabel Cole

Samstag, 6. April 2013

Venezuela in New Orleans

Nächstes Wochenende, am 14. April 2013, sind in Venezuela Neuwahlen, denn es wird ein Nachfolger für den verstorbenen Hugo Chavez gebraucht. Zur Wahl stehen sein Parteigenosse Nicolás Maduro und die Opposition in Person von Henrique Capriles Radonski. Natürlich wollen auch dieses Mal die Auslandsvenezolaner die Geschicke ihres Landes mitbestimmen. Schon seit dem letzten Jahr geht das aber nicht mehr von dem Konsulat in Miami aus, denn es wurde 2012 geschlossen, nachdem das State Department den Konsul wegen der möglichen Verwicklung in eine iranische Cyberattacke auf die USA ausgewiesen hatte. 
Das kam sicherlich sehr gelegen, denn Miami war natürlich der Bezugspunkt und Wohnort für viele Venezolaner, die in den USA leben, und wie auch die Exilkubaner setzen sie sich massiv für einen Regimewechsel in ihrem Heimatland ein.
Das Konsulat in New Orleans ist aber geöffnet und laut Berichten sollen 19.500 Venezolaner die 860 Meilen (1400 Kilometer)-Reise von  Miami planen, die viele schon bei den letzten Wahlen im Oktober auf sich genommen haben. Oppositionskandidat Capriles hat in New Orleans sogar einen eigenen Kampagnenchef, der gute Chancen für diesen voraussagt. Schon für die Wahl am 7. Oktober waren fast alle Flüge nach New Orleans ausgebucht, 50 Busse, viele andere Transportmittel waren unterwegs, um die Wähler ins Ernest Morial Convention Center zu bringen, wo die Wahl stattfand. Siehe hier und hier. 
Neben Venezuela unterhalten auch andere lateinamerikanische Länder Konsulate in New Orleans: die Dominikanische Republik (okay Karibik), Ecuador, Bolivien, Uruguay, Estland, Argentinien...
Der Argentinier Federico Fracchia hat drei kurze, aussagekräftige Filme in und über New Orleans gedreht, einen appetitanregenden über das Essen, einen über das Nachtleben und einen über Jazzfest. Reiselustverstärker nannte eine Webseite diese.

Mittwoch, 6. März 2013

New Orleans – ein Fragebogen mit Rex Rose


Rex Rose ist Autor, Lehrer und gebürtiger New Orleanser.

New Orleans ist... Spaß.  Sinkend.  Gefährlich.  Böse.  Freundlich.  Schön.  Dumm.

Lieblingsort in New Orleans:  Das Café, das jeweils gerade am meisten „bohème“ ist.

Lieblingsgebäude: The Skyscraper. (Der Wolkenkratzer)*

Lieblingsessen aus New Orleans: Heiße-Wurst-Po-Boy mit Mayonnaise und Senf zusammengemischt.

Lieblingsmusiker/in aus New Orleans: The Sluts. (Hardcore-Punk-Band der achtziger Jahre)

Lieblingstext über New Orleans: Toast (Roman von Rex Rose)

Lieblingsfilm über New Orleans: Zombie vs. Mardi Gras **

Lieblingswort oder -ausdruck aus New Orleans: Where you stay? (Wo übernachtest du?)

Passendster Spitzname für New Orleans: The city that forgot to care. (Die Stadt, die vergaß, etwas wichtig zu finden.) ***

Lieblingspersönlichkeit/-figur: Morgus the Magnificent (Morgus der Prächtige) ****

Liebste, hier nicht erwähnte Sache in New Orleans: Kostenlose Fahrt auf der Fähre nach Algiers.

Wer sollte Bürgermeister von New Orleans sein? Morgus der Prächtige

Wie kann die Stadt ihre Mordrate senken? Drogen und Feuerwaffen legalisieren, das NOPD (Polizei) und die Schulverwaltung auflösen und mit Außenseitern in den wichtigsten Positionen neu anfangen.

Warum ich (nicht) in New Orleans lebe: Die Kriminellen und die Polizei, ohne besondere Reihenfolge

Was ich an New Orleans am wenigsten mag: Nie wird etwas zu Ende gemacht, weil es schon ein paar Jahre dauert, bis man sieht, wie im Arsch alles ist.

Was die meisten nicht über New Orleans wissen: Wir hatten einen viel produktiveren und ekelhafteren Serienmörder als Jeffrey Dahmer, aber niemand hat es richtig mitbekommen.

Meine New Orleans-Expertise: Ich habe sieben Jahre lang in einer Bar Austern geöffnet und in heimischen Klubs gespielt.

Cheers!

* Was ich an diesen Fragebögen so mag, ist, dass ich immer etwas Neues lerne. Auf meine Nachfrage schrieb Rex: „Es ist an der Ecke von St. Peter und Royal Street und dort wohnte eine wichtige Kerngruppe von Bohème-Beatnik-Leuten. Es wurde so genannt, weil es das einzige vierstöckige Gebäude im French Quarter war.“ Das Gebäude stammt von 1807. Hier ein Foto.
** Zombie vs. Mardi Gras: ein Horrorfilm. Hier.
*** Wortspiel auf den berühmten Spruch: The city that care forgot (Die Stadt, die die Sorge vergaß)
****Morgus der Prächtige: Von dem Schauspieler Sid Noel dargestellter verrückter Wissenschaftler, der in seiner Spätabendsendung von 1959-1989 Horror- und Sciene-Fiction-Filme zeigte. Es gibt auch einen Film The Wacky World of Dr. Morgus (Die abgefahrene Welt des Dr. Morgus) und ein Comeback in den 2000er Jahren, unterbrochen durch Hurrikan Katrina.

Samstag, 2. März 2013

Ein gewichtiges Problem

Im Moment übersetze ich gerade die autobiografische Erzählung einer New Yorker Mutter, die berichtet, wie sie ihre adipöse Siebenjährige auf Diät setzte, weil nichts anderes half -- über den zähen und nervenaufreibenden Kampf und die Hürden, die sich ihr in den Weg stellten. Als Übersetzerin darf ich natürlich eigentlich keine Meinung haben, aber ich glaube, und sie schreibt es auch selbst, dass Ihr angespanntes Verhältnis zum Essen und zu ihrem Körper sicher auch zu der Situation ihrer Tochter beigetragen hat. Dass aber so ein Buch überhaupt geschrieben wird, liegt daran, dass es mehr als nur ein persönliches Problem ist.
Meine Autorin hält übrigens nichts von Bewegung per se und schon gar nicht fürs Abnehmen. Sie zitiert auch einen Ernährungsprofessor, Eric Ravussin, der mit seinen Forschungen ihre Theorie zu unterstützen scheint. Eric Ravussin ist, wie der Zufall es so will, Mitarbeiter und Direktor der Abteilung für Diabetes und Metabolismus am Pennington Biomedical Research Center an der Perkins Road in Baton Rouge, wo ich viele Jahre lang mit dem Auto dran vorbeigefahren bin.
Dann dachte ich mir, ich müsste doch mal nachschauen, wo denn Louisiana bei den Fettleibigkeitsraten steht. Es ist ja bekannt, dass es in den USA inzwischen als Epidemie bezeichnet wird. Hier ein paar Zahlen. 35,7% Prozent der US-Amerikaner sind adipös, wobei der Anteil unter nichthispanischen Schwarzen mit 49,5% am höchsten ist. Die Südstaaten sind am meisten betroffen, aber auch Teile des Mittelwestens, während es im Südwesten und in Neuengland ganz gut aussieht. Karten und mehr Zahlen von den Centers of Disease Control und Prevention hier. Bei den Statistiken für adipöse Kinder zeigt sich eine besondere Häufung unter einkommensschwachen Familien auch in Kalifornien, den Carolinas, Kentucky und unter einigen Indianervölkern. Gleichzeitig ließ sich aber einer kleiner Abfall der Rate unter Kindern feststellen. Hier.
Louisiana ist stolz auf seine Esskultur, die allerdings auch recht gehaltvoll ist. Es ist der fünftdickste Staat der USA: 64,9% der Erwachsenen sind übergewichtig oder adipös. Seit 1990 hat der Prozentsatz um 135% zugenommen. Übrigens hat auch in Deutschland inzwischen fast jeder zweite Übergewicht, jeder sechste ist fettsüchtig (hier). In Österreich sind mehr als die Hälfte der Männer übergewichtig (55%), davon 13% adipös; bei den Frauen sind es etwa 30%, davon ebenfalls 13% adipös; bei Schulkindern sind 11% übergewichtig, davon 8% stark, hier. Auch in der Schweiz sind 30% der Bevölkerung übergewichtig und jedes 5. Kind, hier. Neben den USA bringen übrigens auch Ägypten und Teile der Pazifikinseln ordentlich etwas auf die Waage.
First Lady Michelle Obama versucht ja mit ihrer Let's Move-Kampagne gegen Adipositas bei Kindern vorzugehen, weil sie Sport für hilfreich hält. Ob dieses Video hier tatsächlich hilft, weiß ich nicht, aber ich finde es sehr amüsant. Michelle Obama und Talk-Show-Gastgeber Jimmy Fallon tanzen The Evolution of Mom Dancing (Die Evolution des Mutti-Tanzens), hier (Es ist das mittlere Video, die vorgeführten Tanzschritte tragen Namen).
Letzten Sonntag war übrigens der Rock 'n' Roll New Orleans Half Marathon bei mäßig warmem Wetter (12-15 Grad, Sonnenschein). Gewonnen hat die Äthiopierin Meseret Defar (hier), die natürlich wie die meisten Marathonläufer sehr drahtig ist. Zum Glück ist New Orleans (im Gegensatz zu Berlin) wirklich wirklich platt; es gibt an dem Sonntag nicht so viel Verkehr, allerdings auch nur wenig Publikum. Als Zuschauerin erinnere ich mich an die entspannte, freundliche Atmosphäre bei weichem Wetter und daran, dass auch ältere, auch dickere Läufer/innen, denen es schwerfiel, ihr Bestes gaben. Bravo!

Freitag, 11. Januar 2013

Tchoupitoulas


Dieser Tage erreichte mich noch dieser Hinweis: 

Am Montag abend haben O. und ich (O. ist der Freund, der auch in New Orleans wohnte und die Stadt liebt, jetzt wohnt er leider in Missouri) einen halb Doku/half Spielfilm über drei junge Brüder in New Orleans gesehen -- im Babylon-Mitte (in den kleinen Studio-Räumen). Der Titel ist Tchoupitoulas (it's named after a big street in New Orleans).
Überraschend schön, nice cinematography, ein Abend in New Orleans auf den Straßen. A wandering film. Es ist Teil des "American Indie Film"-Filmfestivals im Babylon. You should see it if you get a chance! (It probably won't play many places.)
Die New York Times beschreibt den Film übrigens als „heady hybrid of documentary and dream“. Wenn Ihr mich und/oder den Film sehen wollt und es Euch im englischen Original recht ist, dann kommt am Sonntag, 13. Januar 2013 um 19.45 Uhr ins Babylon in Berlin-Mitte. 
Die Tchoupitoulas Street schwingt sich über einige Kilometer entlang der Kurve des Mississippi durch Uptown New Orleans und wird auf der Flussseite von Eisenbahnschienen, Lagergebäuden und Supermärkten gesäumt. Dann gibt es auch das Gericht Chicken Tchoupitoulas, wobei das Hähnchen scharf und mit Weißwein und Gemüsen zubereitet wird. In Coop's Place schmeckt es hervorragend, aber die Rezepte der New Orleanser Fernsehköche Paul Prudhomme und Emeril Lagasse sind sicherlich auch nicht schlecht. 
Eigentlich waren die Tchoupitoulas ein Indianerstamm in der Gegend, die allerdings ausgestorben sind. Den Namen erhielten sie wohl von den Franzosen. Vor dem geistigen Auge sieht man Indianer ja immer auf den trockenen Weiten im Wilden Westen, nicht in den Sümpfen Louisianas, und tatsächlich sind es nicht mehr sehr viele hier und vor allem in kleinen Reservaten. Bei den Mardi Gras Indians (d.h. Afroamerikanern in New Orleans mit farbenprächtigen Federkostümen, die zum Karneval tanzen und Umzüge aufführen) gibt es den „Stamm“ der Wild Tchoupitoulas. Die GEMA gestattet es uns leider nicht, deren Videos hier zu sehen. 
Na dann, vielleicht bis Sonntag. 

Sonntag, 14. Oktober 2012

Cajun-Gewürzmischung


Ob der Fernsehkoch Alfons Schuhbeck schon mal in Louisiana war? Und dort neugierig Kopfdeckel angehoben oder sogar mitgekocht hat? Ich glaube nicht.
Vor kurzem ist nämlich seine Cajun Gewürzmischung Teil meines Haushalts geworden. Die Namen der Zutaten kenne ich: Knoblauch, Paprika edelsüß, Pfeffer, Zwiebeln, Cumin, Coriander, Chillies, Ingwer, Kümmel, Oregano, Curcuma, Thymian, und das gefällt mir. Auch dass einige extra mit C geschrieben wurden, wohl in Erinnerung an das C in Cajun (und Cnoblauch?). Ich habe es gleich aufgemacht und daran geschnuppert und besonders den Kreuzkümmel herausgerochen, den ich mir kürzlich für ein karibisches Bauch-weg-Rezept aus meinem Sportstudio zugelegt habe. "Cajun" roch es aber nicht.
Auf der Webseite steht dann „Traditionsmischung aus der karibischen Küche. Das Temperament der Karibik: exotisch, sonnig, mit feiner Schärfe.“ Nun gibt es in Südlouisiana zwar Cajuns und karibische Einflüsse, aber sie sind nicht dasselbe. In der Karibik leben vor allem die Nachfahren afrikanischer Sklaven, von denen einige, zum Beispiel Haitianer nach der Befreiung nach Louisiana kamen. Viele von ihnen werden heute zu den Kreolen gezählt
Die Cajuns wiederum sind eigentlich Franzosen, die vor vielen Jahrhunderten (Ende des 16. Jhd.) nach Kanada auswanderten und ihren besonderen altmodischen Dialekt mitnahmen und bewahrten. Ihre Provinz, zu der übrigens auch Teile des Bundesstaates Maine gehörten -- deshalb gibt es dort auch noch eine französischsprachige Minderheit -- nannten sie Acadia. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Region britisch und die Briten forderten, dass sich die Akadier der britischen Krone unterwerfen. Als sie sich weigerten, wurden sie 1755 deportiert, wobei viele starben. Die meisten der Akadier, die es schafften, kamen den Mississippi herunter nach Louisiana, das damals französische Kolonie war. Dort ließen sie sich in den Wäldern und an den Bayous nieder und lebten von der Landwirtschaft und vom Fischfang. (Weil sich auf dem sumpfigen Boden Rinder nicht gut halten lassen, ist – anders als in den übrigen USA -- Schweinefleisch fester Bestandteil der Cajun-Küche.) Aus den Acadiens wurden (durch sprachliche Abschleifung) die Cajuns, die lange Zeit mehr oder weniger ungestört vor sich hin lebten, nicht üppig, aber indem sie ihre Sprache weiter sprachen, die sie mit gelegentlichen englischen Einsprengseln versahen, und eine lebendige Ess-, Musik- und Tanzkultur pflegten.
Karibik stimmt wiederum metaphorisch, denn die Cajuns lebten in einer völlig neuen natürlichen Umgebung in enger Nachbarschaft mit Schwarzen, Indianern und europäischen Einwanderern und wurden natürlich auch von diesen beeinflusst.
Und so hat Herr Schuhbeck dann doch wieder alles richtig gemacht. 
(Zur Information wird hier übrigens vor Essen gewarnt, das sich New Orleans, Cajun usw. nennt.)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Pralines


Gibt es eigentlich etwas Reineres, Ehrlicheres, Urigeres als puren Zucker? Das heißt: braunen Zucker, der aus Zuckerrohr gewonnen wird, wie es in Südlouisiana ausgiebig angebaut wird?
Wenn es dort herbstet, die Sonne tiefer steht und die Luft klammer wird, allerdings ohne bunte Blätter, dann werden die Zuckerrohrfelder abgeerntet und niedergebrannt, und ihr Rauch mischt sich mit dem aus den Schornsteinen der Raffinerien, und ein süßlich-verbrannter Geruch überzieht die Landschaft. Das hat etwas Heimelig-Melancholisches, denn es läutet den Winter ein, der dort natürlich nicht so lang und dunkel ist wie hier.
Mit braunem Zucker kann man raffinierte Sachen machen, zum Beispiel einen Mint Julep, einen schmackhaften Sommercocktail, den ich erst letzte Woche zum ersten Mal hier gemixt habe. Auch in Frankreich, wo ja das gute Essen erfunden wurde, schätzt man Rohrzucker sehr, aber das hängt wohl mit den strategisch platzierten Kolonien zusammen, von denen einige jetzt keine mehr sind und andere nicht mehr so heißen, sondern zu Landesteilen verschiedenen Ranges erklärt wurden (DOM-TOM) und damit ganz gut fahren, so dass sich die Einheimischen größtenteils den Dingen fügen.
Eine Krönung erlebt der Zucker jedoch in einer typischen kreolischen „Praline“ (in New Orleans sagt man: Praa-lien), die nicht besonders aussieht, aber warmherzig und gehaltvoll ist und unglaublich sanft. Wie immer gibt es verschiedene Rezepte, mit oder ohne Sirup oder Milch oder Schokolade. Immer dabei: Rohrzucker und Pecannüsse, die schmalen, braunen, dunkel und warm schmeckenden Nüsse mit der knackfreundlichen Schale, die dort in den Gärten wachsen. Bilder von Pralines hier und hier. Pecans hier.

Samstag, 2. Juni 2012

Vom Fressen und von der Moral

Eine kürzlich veröffentlichte Studie befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Essen und moralischem Handeln. Assistant Professor Kendall Eskine von der Loyola University in New Orleans hat sie kürzlich zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science eingereicht (hier). 
Für die Studie wurden den Probanden Fotos von Bio-Lebensmitteln oder von so genanntem „comfort food“ (Futter für die Seele, traditionelle Speisen) oder von „neutralen“ Lebensmitteln wie Reis und so weiter gezeigt. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen die vorher Bio-Lebensmittel betrachtet hatten, moralische Verfehlungen wesentlich stärker verurteilten  und auch weniger bereit waren, anderen zu helfen. Daraus schließt man, dass sich diese Menschen durch Bio-Lebensmittel in ihrer moralischen Identität bestätigt fühlen und ihr Wunsch nach altruistischem Handeln reduziert wird.  
Interessant finde ich, dass die Studie ausgerechnet in New Orleans und an der Loyola-Universität durchgeführt wurde, einer jesuitischen Hochschule in einer katholisch geprägten Stadt (die Süddeutsche nannte das Ergebnis der Studie treffend „moralischer Ablasshandel“). Loyola ist gleich neben der Tulane Universität an der St. Charles Avenue, direkt gegenüber dem Audubon Park. Sie (1912 gegründet) untersteht dem katholischen Jesuitenorden und hat heute fast 5000 Studenten aller Glaubensrichtungen. Trotz (oder wegen?) seiner katholischen Prägung hat New Orleans ja eine für die USA einmalige Esskultur, was die Menge, die Vielfalt, den Feingeschmack und die Zutaten betrifft. 
Unweit der Loyola University befindet sich der riesige Whole Foods Arabella Station an der Magazine Street, in dem Professor Eskine möglicherweise auch einkauft und sein Gewissen und seine Lust auf gutes Essen befriedigt? Whole Foods  (wörtlich in etwa „ganzheitliche Lebensmittel“) ist eine sehr teure, sehr verführerische Supermarktkette für Bio-Lebensmittel, die seit 1988 auch in New Orleans präsent ist; dort in der Arabella Station seit ca. 10 Jahren. Neben Biogemüse, Obst, Müsli usw. gibt es dort auch europäische Weine und Schokoladen, Kosmetik und fast alles, was das Herz begehrt. Meine Freundin Lil nennt den Laden „whole wallet“ (das ganze Portemonnaie), andere sagen „whole paycheck“ (der ganze Lohn), denn man geht dort schnell mit weniger Geld hinaus als geplant. Aber sollten all diese betuchten Kunden unmoralisch und egoistisch sein? 
Der Crescent City Farmer’s Market wird weniger besucht als Whole Foods, so habe ich es in Erinnerung, und das vielleicht nicht nur wegen der kurzen Öffnungszeiten. Er findet drei Mal wöchentlich an drei verschiedenen Orten in New Orleans statt, u.a. in Uptown, auf einem parkplatzähnlichen Gelände unweit von The Fly und Audubon Park und von Whole Foods. Farmer aus der Umgebung verkaufen dort direkt aus ihren LKWs und Lieferwagen, oft Afroamerikaner, und man sieht, dass sie nicht wohlhabend sind. Es gibt keinen Kaffee und keine Imbissstände, keine Musik, keine Schnörkel, nichts Verschönendes. Auf dem glühendheißen Platz verkaufen sie ihre Tomaten und Collard Greens, die eben oft nicht so knackig und perfekt aussehen wie in Whole Foods, denn – ich habe es selbst erlebt – die erbarmungslose Sonne und die noch erbarmungsloseren Schnecken, Insekten und was sonst noch so mitfrisst machen es fast unmöglich, in Südlouisiana Gartenbau zu betreiben. Auf dem Markt kommt man ins Gespräch, bekommt bodenständige Tipps zur Zubereitung und unterstützt nebenbei die lokale Landwirtschaft. Das ist nicht nur moralisch vergnüglich.
Übrigens wurde der Farmer's Market 1995 durch das Twomey Center For Peace Through Justice (Zentrum für Frieden durch Gerechtigkeit) der Loyola University ins Leben gerufen und das passt doch dann wieder.
* Crescent City ist einer der Spitznamen für New Orleans: Halbmondstadt, da das historische New Orleans, das French Quarter, in einer halbmondförmigen Krümmung des Mississippi angelegt wurde.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Im Kid Creole in Friedrichshagen

Anfang Oktober, genauer gesagt am Nationalfeiertag, war ich im Kid Creole in Berlin-Friedrichshagen zum Essen eingeladen. Das ist nicht einfach nur ein Restaurantbesuch, es ist ein Ausflug, eine S-Bahn-Fahrt mit viel Grün und Sonnenschein; dann flaniert man die alleenhafte Bölschestraße entlang und isst zuvor noch ein Eis (mein Tipp: Sesam öffne dich, wirklich eine kleine Eröffnung).
Dann kehrt man in einen verwunschenen Hof ein, wo ich es schon sehnsuchtsvoll beäugt hatte: das Kid Creole. Man lümmelt unter Bäumen auf Korbmöbeln oder sitzt drinnen an geöffneten Glastüren. Das Haus ist alt und vielleicht wurde ein Geschoss herausgenommen, denn das Dach ist hoch und spitzwinklig und mit Balken. Die Wände sind ockerfarben und mit Sumpfszenen bemalt. Alles ist mit Kerzen ausgeleuchtet; es läuft dezente Countrymusik, und die Bedienung trägt dunkel mit langen Schürzen.
In der Speisekarte steht eine ganz ähnliche Einleitung wie im Louisiana Kid vor ein paar Wochen; auch einige Gerichte sind ganz ähnlich (Spinat mit Bananenscheiben!) und ich ahne, wer hier vom Kid Creole abgeschrieben hat. (Note to Self: Muss endlich mal den Unterschied zwischen Creole und Cajun erklären.). Wir bestellen Jambalaya und Shrimp Etouffée und einen Rosé-Wein, der dann doch sehr lieblich ist. Das Jambalaya ist einen Hauch zu tomatenmarkig. Es gibt zwar Rezepte mit Tomaten, aber der Hauptgeschmack ist normalerweise vor allem scharf und nicht tomatig. Ein Etouffée kenne ich als cremig und mit Krebsen und eher labbrig, während die Soße hier tiefbraun und sehr würzig und mit Sojasoße versetzt zu sein scheint. Doch wir lassen uns jeden Bissen auf der Zunge zergehen, und ich bestelle noch eine Extraportion Reis, weil es so gut schmeckt, in dem stimmigen Raum mit Blick auf die letzten Herbstsonnenstrahlen. Die Bedienung ist aufmerksam und alles irgendwie ruhig und liebevoll.
Dann fegte ein älteres Ehepaar an den Nebentisch, und ER fing an eifrig zu fotografieren, während SIE an immer anderen Plätzen nachdenklich oder lächelnd oder aufblickte oder in der Speisekarte blätterte. Als die Tochter mit Baby im Bauch und dessen Vater am Arm hereinkam, waren wir dann schon weggeblitzt. Im Nebenzimmer hatte sich eine Gruppe junger Leute zusammengefunden, und als ich so wartete, sah ich sie an der Decke: die Fahne Louisianas mit einem Pelikan und seinen Jungen und der Losung „Union, Justice & Confidence“ (Einheit, Gerechtigkeit & (Selbst)vertrauen). Hehre Wünsche, immer noch.
Das machte es dann doch echt und ernsthaft, ein rührend aufrichtiges Bemühen um ein Stückchen Louisiana in Berlin. Bei unserem Spaziergang zur Bahn gerieten wir in eine bizarre Demo gegen die Nachtflüge des neuen Flughafens, und also zurück nach Berlin. Trotzdem: Ein Ausflug nach Friedrichshagen, in wieder ein imaginäres Louisiana—jederzeit wieder!

Freitag, 16. September 2011

Essen: Ein Glossar

Die Einträge beziehen sich auf „No Reservations oder Essen“ vom 1. September. Einige Erklärungen basieren auf dem Kochbuchheftchen Cookin' with Coop von Coop’s Place, 1109 Decatur Street im etwas abgelegeneren Ende des French Quarters. Rustikales, relativ preiswertes Restaurant mit einheimischer Küche und sehr schmackhaft.
Blackened: Meistens Fisch in Gewürzen paniert und dann sehr heiß und kurz gebraten, so dass es innen zart und saftig bleibt. Scharf! Und sieht schwarz aus. Typisch für die Cajun-Küche.
Boudin (sprich Budän – möglichst mit französischem Nasal): Cajun-Wurst aus Reis, Fleisch und Gewürzen. Oft scharf. Wird gekocht und dann serviert.
La Boulangerie: 4526 Magazine Street in Uptown. Ich habe gleich um die Ecke in der Jena Street gewohnt. Französischer Besitzer bäckt französisch (und spricht mit französischem Akzent). Die besten Croissants und pains au chocolat außerhalb Frankreichs, sage ich.
Creole Creamery: 4924 Prytania Street in Uptown. Eine echte Kiezeisdiele. Eis ist ja in den USA immer viel cremiger und mit mehr Zutaten drin als in Europa. Hier gibt es fast alles, viel mit Pecans. Meine liebste Sorte: Creole Cream Cheese. Als ich 2009 das letzte Mal da war, hingen an den Wänden viele Fotos von dankbaren Kindern, die hier ihr Glück gefunden hatten, aber auch von Feuerwehrmännern und National Guard-Truppen, die nach dem Hurrikan in der Stadt stationiert waren.
Fajita (sprich Fachita): Eine mexikanische oder wohl besser Tex-Mex-Spezialität. Ich mochte sie am liebsten im Superior Grill, einem Tex-Mex-Restaurant. Gegrilltes, sehr dünnes Rindsteak mit Tortillas und Gemüsen.
Grits: Maisgriesbrei. Typisch für die Südstaaten, wo man sie besonders bei einem großen Frühstück isst. Indianischen Ursprungs. Es gibt Abwandlungen wie cheese grits, mit Käse.
Gumbo (sprich Gambo): Manche nennen es Cajun Bouillabaisse. Eine dicke Suppe mit frischem Gemüse und Meeresfrüchten, meistens mit Okraschoten und meistens auf der Basis von roux. Sehr würzig, mit Tabasco-Sauce und Kräutern. Außerdem filé, zermahlene Sassafras-Blätter. Das Wort Gumbo soll von dem afrikanischen Wort für Okra stammen.
Jambalaya (sprich Dschambalaja): Cajun Paella? Reis wird mit Meeresfrüchten und anderem Fleisch, Gemüsen und scharfer Würze gekocht.
King cake: Abgeleitet von der französischen galette des rois (Königskuchen--schmeckt aber nicht ganz so gut wie dort). In Frankreich ist man die galette im Januar, im Wesentlichen um die Zeit von Epiphanias (Dreikönigstag 6. Januar). In Louisiana gehört der king cake zum Mardi Gras/Karneval und wird bis zum Fastnachtstag selbst gegessen. Er ist sehr süß, oft in den Karnevalsfarben Gold-Grün-Lila verziert und darin steckt (statt der fève in Frankreich) ein Plastebaby – Jesus. Wer es in seinem Stück findet, muss den nächsten king cake kaufen. Am liebsten mag ich den Zulu king cake, benannt nach dem gleichnamigen Karnevalsverein und Parade, mit Schokoladenglasur und Kokos, darin natürlich ein schwarzes Baby.
Mustard Greens: Senfblätter, Brassica juncea. Wie auch die noch üblicheren Collard Greens gehören mustard greens zum soul food, der typischen Küche der Afroamerikaner im Süden der USA. Einige der Gebräuche, wie auch die Verwendung von Okraschoten, Reis usw. werden auf westafrikanische Ursprünge zurückgeführt. Ich habe die Blätter einfach in Wasser gedünstet. Dazu Grits und vielleicht ein Setzei. Schmeckt sehr senfig.
Pecans: In Louisiana sagt man Peckaaans, in South Carolina habe ich Pieeekens gehört. Carya illinoinensis. Die weichsten Nüsse der Welt. Sie sind dunkler, schlanker und weicher als unsere Walnüsse und so schmecken sie auch, aber die Schale und äußere Form ist ganz anders. In Donaldsonville hatte ich einen Baum im Garten. Die Nüsse fallen ab, man sammelt die vielen schmalen Hülsen auf und kann dann den ganzen Winter lang knacken. Ich nehme sie gern im Müsli oder im Salat (Spinatblätter, Orangenspalten, Pecans, dazu einen Hauch Sauce aus Joghurt und Rotweinessig, Salz, Pfeffer), und es gibt natürlich Kekse, Pecan Pie und viele andere Süßigkeiten. Auf einer Webseite wird angeregt, dass er auch in Mitteleuropa gut wachsen soll. 
Po’boy: Abgeleitet von poor boy (armer Junge). Ein längliches Sandwich, wie ein „Subway“ (U-Bahn)-Sandwich aussehend, mit Meeresfrüchten o.ä. Der Legende nach entstand der Name 1929 während eines längeren Streiks der Straßenbahnfahrer. Ein Imbissladenbesitzer gab die Sandwiches kostenlos an die Streikenden ab, die als „poor boys“ bezeichnet wurden.
Roux (sprich Rrruh): Kommt natürlich aus dem Französischen. Mehlschwitze, die Basis vieler louisianischer Gerichte. Gleiche Teile Mehl und Fett, in Louisiana meist Pflanzenöl. Coop’s hat sehr detaillierte Anweisungen: ein kontrollierter Verbrennungsprozess. Man nehme eine gusseiserne Pfanne, einen Holzlöffel und rühre 15 Minuten auf dem Feuer, bis er eine Konsistenz wie Honig hat. Vom Feuer nehmen und weitere 2-3 Minuten rühren.
Snowball: auch Snoball (Schneeball). Dünn geschabtes Wassereis in Kugelform, das mit farbigen Sirups benetzt wird. Eine tolle Erfrischung. Bei V. S. Naipaul habe ich gelesen, dass es auch in Trinidad snowballs gibt; in den restlichen USA heißt es snowcones. Einer der besten Läden in New Orleans ist technisch gesehen in dem Vorort Metairie: Sal's Snowballs 
1823 Metairie Road, eine einfache Holzbude am Straßenrand, mit ein paar abgesägten Baumstämmen als Sitzplätzen davor.
Inzwischen weiß ich übrigens, dass das obige Foto ein Établissment namens Déja vu zeigt, Ecke Dauphine und Conti Street. Allerdings weiß ich nicht mehr, ob ich schon mal dort gegessen habe...

Samstag, 10. September 2011

New Orleans Seafood Festival

In New Orleans findet übrigens dieses Wochenende zum fünften Mal das Seafood Festival statt, wo viele bekannte Restaurants ihr Essen anbieten und renommierte Köche schaukochen. Dann kann man natürlich auch Tinnef und Kunsthandwerk erwerben und zur Live-Musik tanzen, u.a. zu Trompeter Kermit Ruffins und Band und der U.S. Navy Jazz Band. Dieses Jahr geht es bei dem Festival vor allem darum, den Leuten zu zeigen, dass nach der BP-Ölkatastrophe im letzten Jahr die Meeresfrüchte wieder „schmackhaft und ölfrei“ sind, wenn auch teurer als vorher. Das Festival wurde übrigens zum gleichen Zweck nach Hurrikan Katrina ins Leben gerufen. Könnte man sagen, dass es in New Orleans viele Festivals gibt? You bet (Na logo)!

Im Louisiana Kid in Berlin

Gestern war ich im Louisiana Kid in der Alten Schönhauser Straße. Beinahe hätten mich die schlechten Kritiken im Internet davon abgebracht: aufgewärmte Fertigprodukte, lustlose Bedienung, lärmende Touristen aus dem dazugehörigen Hostel, heißt es dort. Tatsächlich ist das Restaurant unten im Wombat’s Hostel (was ein australisches Nagetier ist) und teilt sich mit diesem die Toilette. Als wir gegen halb sieben ankamen, waren wir fast die ersten, und dann füllte sich das Restaurant sehr gemächlich. Die Einrichtung ist gediegen: dunkle Holztische und –stühle, ein paar dunkelgrüne Dinerbänke, viele Fotos, atmosphärisches Licht. Die aubergine-dunklen, zur Seite gerafften Vorhänge erinnern an reichere louisianische Häuser, waren aber zu durchsichtig, um echte Hitze und Sonne abzuhalten. 
Wir bestellten Wein, weil es kein louisianisches Bier gab und die Cocktails recht teuer waren. Und zu speisen: CREOLE CREAMED SPINACH („Lauwarmer Blattspinat in leichter Dijon-Senf-Sahnesauce mit Bananenscheiben und gerösteten Sonnenblumenkernen“) für 7,20 € und BLACKENED CATFISH („Landestypisch, in einer etwas schärferen Gewürzmischung, dunkel gebratener, amerikanischer Wels mit Süßkartoffelpüree und mildem Bananendip“) für 12,80 €. Das Warten hätten wir uns mit etwas pappigem Weißbrot und Becel-Diätmargarine aus kleinen Hotelportionierungen vertreiben können. 
Als das Essen kam, war es schon irgendwie exotisch, aber wie erwartet nicht besonders authentisch. Dabei ist es natürlich schwierig, woanders, wo die Zutaten immer anders sind, wie zu Hause kochen oder backen zu wollen. Und doch: Schon die Kombinationen klingen ungewöhnlich: Bananen? Stimmt, die wachsen in Louisiana, werden aber nie zum Essen reif. Dijon-Senf? Ja, gibt’s dort auch im Supermarkt. Süßkartoffelpüree? Isst man in den ganzen USA zu Thanksgiving, ist aber nicht besonders typisch für den Süden. Der Spinat schmeckte vor allem senfig und der Fisch nach Marjoran. Meine Begleitung meinte, es schmecke, als wenn sich ein paar Studenten überlegt hätten, mal was Anderes auszuprobieren. Etwas bestärkt in dieser Ansicht hat mich auch die Erklärung auf der Speisekarte, dass man die Cajuns auch als Kreolen bezeichnen könnte, aber diesen Unterschied werde ich ein andermal erklären.
Nach dem Essen habe ich die Fotos an den Wänden studiert, aus Neugier, was man mit Louisiana so assoziiert. Es waren durchweg historische Fotos und durchweg von Schwarzen (dabei sind die Cajuns ja europäischer Abstammung). Sehr viele Musiker, meist arm aussehend, darunter auch eine Beale Street Band (wobei die Beale Street in Memphis, Tennessee, ca. 5-6 Stunden entfernt, liegt und als Geburtsstätte des Blues gilt). Eine Wand war vor allem Fotos von Malcolm X, Martin Luther King und Muhammad Ali vorbehalten, Ikonen der Bürgerrechtsbewegung, die aber nichts mit Louisiana zu tun haben, außer das Muhammad Ali mal in New Orleans geboxt (und gewonnen) hat. Nur auf der einen Wand war eine kleine Singlehülle von Louis Armstrong und seinen Hot Five. Ach, und die Musik im Restaurant war zurückhaltend und unbestimmt bluesig.
Der Name Louisana Kid sagt mir erst einmal nichts. Vielleicht ist es eine Abwandlung von Kid Creole, einem Restaurant in Friedrichshagen, oder man kocht nach dem Kinderkochbuch Louisiana Kid's Cookbook: Recipes, How-To, History, Lore & More! von Carole Marsh, das es mal gegeben haben muss?
Und doch ist dies kein Verriss, denn der Abend war nett und das Ambiente angenehm. Besonders reizvoll ist, dass das Restaurant ca. 20-30 Zentimeter tiefer als der Bürgersteig liegt und und die Fenster bis auf diesen reichen, durch die man einen lautlosen, meditativen Blick auf den Freitagabendverkehr mit den strahlenden Ampeln hat. Ein Hund kam auch und schnüffelte ausgiebig vor unserem Fenster.
Also, für eine Phantasiereise in eine Karl-May-mäßig phantasierte, exotische Welt mitten in Berlin ist das Louisiana Kid allemal gut. 

Donnerstag, 1. September 2011

No Reservations oder: Essen!

Die louisianische Küche nimmt in der ansonsten eher farblosen US-amerikanischen Kochtradition einen gepfefferten Platz ein. Seit den sechziger Jahren hat sie sich im ganzen Land verbreitet und seitdem wird Vieles, was man zu scharf würzt, mit dem Vorsatz Cajun versehen. Dabei besteht natürlich ein Unterschied zwischen der ländlichen Kultur und Küche der Cajuns (sprich Kejdschins) und dem multikulturellen Büffet namens New Orleans.
Der Fernseh-Starkoch Anthony Bourdain reist mit seiner Sendung No Reservations* im Travel Channel jedes Mal an einen anderen Ort auf der Welt. 2008 war er schon einmal in New Orleans, wo er über den Wiederaufbau und die Wiedereröffnung nach Katrina berichtete. Jetzt hat er es wieder getan: Er ist nach New Orleans gefahren, traf sich mit Mitarbeitern der Fernsehserie Treme, wo er an der zweiten Staffel mitgeschrieben hatte. Und dann ging es weiter aufs Land, ins Cajun Country. In seinem dazugehörigen Blog schreibt er, dass die beste Küche oft aus den ärmsten Landstrichen kommt, und dazu gehört das Land der Cajuns ganz gewiss. Aus den Südstaaten und besonders Louisiana komme die eigentliche amerikanische Küche, die woanders so nicht hätte entstehen können. Wie Jazz, schreibt er, ist sie das Ergebnis von magischen und bizarren Kreuzungen und Umständen und entstanden nach langen Reisen, viel Kummer und einfachen Vergnügungen. Der Süden, fasst er zusammen, hat uns allen beigebracht, wie man kocht.
Auf der Webseite sieht man auch einiges nicht verwendetes Material, wie seine Fahrt durch eine Drive-Thru Daiquiri Bar in New Orleans: Stimmt ja!, nirgendwo anders in den USA darf man mit offenen Alkoholbehältern auf der Straße angetroffen werden, aber am Steuer ist es natürlich auch hier nicht erlaubt. Oder von seinem Besuch auf dem Land, wo er kräftig bei einer „boucherie“, einem Schlachtfest, mitgeholfen hat. (Dazu siehe auch New York Times.)„Alle kochen,“ schreibt er, „Männer, Frauen, sogar die Kinder helfen mit.“ Wenn man sich allerdings die Fotos ansieht, wird da für meinen Geschmack ein bisschen zu nonchalant über das arme Schwein - Anthony Boudin (wie die Cajun-Wurstspezialität) - gewitzelt, das er eigenhändig mit zwei Kugeln erlegt. Aber es ist natürlich wahr - louisianische Küche ist fleischlastig und besteht fast immer aus Tieren: Austern, Krabben, Krebse, Fisch, Schwein, Huhn, ganz selten auch mal Alligator. Da geht doch sicher noch was...
Eine weitere Rundfunkpersönlichkeit - Peter Sagal, Moderator der Kult-Nachrichtenquizsendung Wait wait don’t tell me auf National Public Radio - schrieb im April in seinem Blog über seinen kulinarischen Besuch in New Orleans, ein paar Tage zwischen touristisch bekannten Adressen (wie dem Cafe du Monde im French Quarter) und bei Einheimischen beliebten Etablissements. Und wie er es schildert, klingt es durchaus nach einer kleinen Entdeckungsreise.
Hier in Berlin (wo Anthony Bourdain übrigens auch schon mit der Sendung war) gibt es mindestens vier louisianisch angehauchte Restaurants. Also ist wohl wirklich etwas dran?
Schon in Louisiana habe ich sehr selten Fleisch gegessen, aber ein Jambalaya, einen Gumbo, einen Halb-und-Halb Austern und Shrimp Po’Boy oder auch eine mexikanische Fajita habe ich mir schon gelegentlich mal geleistet. Aber was mir wirklich fehlt, sind so Dinge wie Mustard Greens und Grits, wirkliche Arme-Leute-Küche, die es im Restaurant nicht gibt. Dann die französische Boulangerie mit echten Croissants gleich um die Ecke. King cake zu Mardi Gras. Frische reife Mangos. Snowballs. Das Eis in der Creole Creamery. Alles mit Pecans. Hmmmmmmmm. Ach! Aber darüber ein andermal mehr.
* No Reservations ist ein netter Titel für die Sendung, denn es bedeutet einerseits "ohne Reservierung" und andererseits "vorbehaltlos" und "keine Zurückhaltung".