Um die Jahrtausendwende gab es in Baton Rouge, Louisiana, eine junge Band namens Red Stick Ramblers (red stick, roter Stab oder Stock, ist die wörtliche Übersetzung von baton rouge und ein Spitzname für die Stadt), Collegestudenten der Louisiana State University, die Cajun und Louisiana Traditionals, Western Swing und Anderes spielten, unbekümmert und natürlich und mit einer gekonnt sparsamen Instrumentierung, bei der jedes Instrument Gehör fand (zum Beispiel im "Main Street Blues"). Den Kern der Band bildeten damals die beiden Freunde Linzay Young und Joel Savoy, wobei Linzay der Sänger und Frauenschwarm war und der zurückhaltendere Joel die Fiddel virtuos bediente. (Es gibt von 2009 eine CD nur mit den beiden und hier ein Lied auf Youtube). Joel war damals bei einer Kollegin von mir im Französischkurs und sein kleiner Bruder Wilson Savoy, der irgendwie auch überall mitspielte (vor allem Akkordeon), war ein äußerst talentierter Student in meinem Deutschkurs. Mit in der Band war auch Ricky Rees am Großmutterbass, der jetzt in Austin, Texas, bei den Soul Supporters spielt. Linzay Young führte die Band noch bis 2013 weiter, brachte in der Koch-Reise-Sendung No Reservations Anthony Bourdain echtes Cajun-Essen nahe (siehe auch hier im Blog) und weihte in der Fernsehserie Treme die Geigerin Lucia Micarelli ins Fiddelspielen ein (auch hier im Blog).
Die beiden Savoy-Brüder entstammen einer Cajun-Musikerfamilie und spielen auch heute noch mit ihren Eltern Marc und Ann Savoy in der Savoy Family Cajun Band (in dem Video auf ihrer Webseite mit einer wunderbaren akustischen Version links Wilson und rechts daneben Joel). Das Ehepaar spielt seit 1977 zusammen und immer wieder auch mit dem berühmten Michael Doucet von Beausoleil.
Als ich mir jetzt meine Red Stick Ramblers-CD wieder einmal angehört habe, fing ich auch ein bisschen an zu gugeln. Und siehe da, Wilson Savoy hat eine Band namens Pine Leaf Boys und ist auch Filmemacher. Joel Savoy hat ein Plattenlabel namens Valcour Records und das Aufnahmestudio SavoyFaire. Er ist mit Kelli Jones-Savoy verheiratet, die aus einer Musikerfamilie in North Carolina stammt, und musiziert auch mit ihr, und Linzay Young ist mit Emma verheiratet und spielt jetzt auch gemeinsam mit ihr und ihren Eltern in der Good & Young Band. Die beiden Paare spielen auch zusammen als Double Date, hier ihre Aufnahme von "I’m Tyin’ Up The Blues". Sehr hübsch auch "I’ll Be There". Irgendwie klingt das ziemlich nach Happy End.
Jetzt hier und heute in Berlin habe ich auch eine Lieblingsband, die überhaupt nichts mit Louisiana zu tun hat, ganz andere Musik macht, aber im weitesten Sinne auch eine Familienband ist: Yellow Bird (benannt nach dem gleichnamigen Lied von Harry Belafonte). Zum ersten Mal erlebt habe ich sie bei einem Konzert 2012 in der Kugelbahn im Wedding, das auch ihre kanadische Ein-Mann-Vorband Martin Gallop bei ihrem CD-Release-Konzert im Februar erwähnte. Angefangen hat die Band mit dem Paar Manon Kahle und Uli Kempendorff, sie Amerikanerin aus den Appalachen in Vermont, er Berliner mit einschlägiger USA-Erfahrung. Manon mit glockenklarer Stimme, die auch Ukulele spielt, singt in close harmony mit der samtdunkel klingenden Schweizerin Lucia Cadotsch; es spielen an der Gitarre Ronny Graupe, an verschiedenen Klarinetten Uli Kempendorff und am Schlagzeug Michael Griener. Die Band spielt Americana, Country und Folk mit Spielfreude, Witz und einer klar aus dem Jazz kommenden Haltung, durch die alles irgendwie frisch und zugleich tief und echt klingt und einen Alte-Welt-Touch bekommt. Schön und toll instrumentiert sind sie alle, doch meine Favoriten sind "I Don't Believe You've Met My Baby" und "Hello Stranger". Inzwischen rückt Yellow Bird auch mit neuen, eigenen Liedern heraus, die Tolles für die Zukunft erahnen lassen. Es gibt eine sehr aktuelle Webseite, die eingehendes Surfen verdient, von Manon Kahle gestaltete Videos, und immer wieder Live-Konzerte, zum Beispiel am 5. Juni auf dem Stolze Openair-Festival in Zürich und am 6. Juni auf dem Stadtfest Eberswalde. Vielleicht fliegt ja spätestens dort neuen Fans ein gelbes Vögelchen zu.
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Mittwoch, 20. Mai 2015
Samstag, 27. Oktober 2012
Voodoo Experience und anderes
Die Red Stick Ramblers, eine Cajun-Band, die ich kannte, als
wir alle noch jünger waren, spielt in dieser Saison in der Fernsehserie
Treme als Hintergrundband der Geigerin Annie (Lucia Micarelli). Der Frontmann
Linzay Young war auch in Anthony Bourdains No Reservations beim Kochen bei den Cajuns auf dem Lande zu sehen
und dort spielte die Band auch, siehe hier. Dieses Wochenende sind sie im Acadian Village in
Lafayette Gastgeber des 5. Blackpot-Festival and Cook-Off. Dort werden also
Cajun-Bands musizieren, und gekocht wird auch, und zwar um die Wette. Es gibt
eine Teilnahmegebühr und am Ende werden drei Preise für das beste
Essen vergeben.
In New Orleans findet unterdessen noch bis morgen Voodoo Experience, ein Musikfestival, im City Park statt. Gestern spielte dort Neil
Young mit Crazy Horse (hier übrigens seine Version von Fats Dominos "Walkin' To New Orleans") und auch ansonsten ist es einfach ein normales Festival mit
einigen lokalen Brassbands und so weiter. Dieses Jahr soll zum ersten Mal Camping im City Park angeboten werden, damit man unter den
Sternen ruhen kann. Mit Voodoo hat das sicherlich nicht viel zu tun, auch wenn
es unheimliche Kreaturen und Geräusche im Park geben mag.
Auf NPR habe ich gestern einen interessanten Beitrag über
Voodoo, Drachen, Vampire und Zombies gehört, die der Wissenschaftsjournalist Matt Kaplan erforscht und mit natürlichen Zusammenhängen (meist Gasen) erklärt hat. Die
Sendung findet man hier.
Interessiert hat mich das, weil ich im Moment gerade Brains. A Zombie Memoir (Hirn. Ein
Zombie-Geschichte) von meiner Freundin Robin Becker lese. Eigentlich bin ich für so etwas zu zart besaitet, aber wer über absurde Details von körperlicher Zersetzung und Zerstörung hinwegsehen oder sie witzig finden kann, wird an dieser grotesken Geschichte
große Freude haben. Es geht um einen Collegeprofessor, der als Zombie zwar
nicht mehr sprechen, aber dafür noch rational denken und schreiben kann und Gleichgesinnte
um sich schart, um eine Art Zombie-Revolte anzuzetteln. Weil ich jetzt
manchmal nachts aufschrecke, bin ich froh, nicht im Park zu übernachten, sondern die heute Nacht zurückerstattete Stunde hier zu Hause in aller Ruhe auskosten zu können.
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