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Samstag, 4. August 2012

Dieses Wochenende in New Orleans

... kann man sich einiges vornehmen.
Bis morgen noch läuft das 12. Satchmo SummerFest im French Quarter. Satchmo, von Satchelmouth (Umhängetaschenmund), ist der Spitzname von Louis Armstrong (1901-1971), der aus New Orleans stammte. Bei dem Festival gibt es Seminare über ihn und auf zwei Freilichtbühnen Live-Konzerte (von jeweils 12-20 Uhr) mit Brass-Bands und New Orleanser Größen wie Kermit Ruffins, den Preservation Hall All Stars und den kürzlich erwähnten Palmetto Bug Stompers sowie ein Kinderprogramm. Louis Armstrong ist für New Orleans und den Jazz so eine wichtige Persönlichkeit, dass der Flughafen nach ihm benannt ist (falls der neue hier in Schönefeld außerhalb Berlins je fertig wird, soll er Willy-Brandt-Flughafen heißen, nur zum Vergleich). Und seine Autobiographie Mein Leben in New Orleans, die ich im Alter von zwölf Jahren im Buchregal meines Vaters gefunden habe, hat mich neben den Digedags und dem Saxophon bei uns zu Hause so geprägt, dass ich hier heute über New Orleans schreibe. 
Schon lange erwähnen wollte ich einen interessanten Blog, der sich nur mit Louis Armstrong beschäftigt, The Wonderful World of Louis Armstrong. A Celebration of Louis Armstrong’s Life and Music, One Song and Video at a Time. Ohhhhh Yeah! Verfasst wird es von dem Jazzhistoriker Ricky Riccardi (erst 30 Jahre alt), der am Louis Armstrong House Museum in Queens in New York arbeitet, und hier seit 2007 Aufnahmen, Videos, Konzerte dokumentiert. Am 6. Juli 2012 schrieb er über Louis Armstrongs Tod, der an dem Tag vor 41 Jahren „angeblich“, wie der Musiker David Ostwald sagt, gestorben ist. Geboren ist er am 4. August, heute!
Heute Abend von 18-21 Uhr ist im Warehouse District die Whitney White Linen Night, bei der alle Kunstgalerien und Museen um die Julia Street herum geöffnet sind, die Straße wird dafür für den Verkehr gesperrt und auch hier spielen Live-Bands. Ab 21 Uhr ist dann im benachbarten Contemporary Arts Center eine Afterparty. Essen gibt es natürlich auch und da es eine White Linen Night ist, sollte man sicher weiß tragen. Ich erinnere mich gern an die gemeinsamen Galerievernissagen an der Julia Street jeweils am ersten Sonnabend des Monats, und ins CAC gehe ich immer gern.
Dort und in ganz Louisiana ist seit gestern und bis heute noch ein Tax Holiday (Steuerferien), d.h. auf alle Einkäufe unter 2.500 Dollar wird keine staatliche Verkaufssteuer erhoben, nur örtliche Steuern können anfallen. In den USA ist ja der angegebene Verkaufspreis nie der, den man am Ende bezahlt, weil die Steuern immer erst an der Kasse hinzugefügt werden. Da der kleine Buchladen Blue Cypress Books in Uptown sein 4-jähriges Bestehen feiert, wird er auch diese Steuern erlassen.
Schönes Wochenende!

Samstag, 22. Oktober 2011

New Orleans Film Festival

Gestern ging das 22. New Orleans Film Festival zu Ende, das, so die organisierende New Orleans Film Society, bereits letztes Jahr Besucherrekorde verzeichnete und dieses Jahr endgültig nicht mehr nur ein Festivals für Filmfreaks war. Gespielt wurde an 14 Aufführungsorten, darunter vor allem auch dem Prytania Theatre in Uptown und dem Zeitgeist in Central City.
Bereits letzten Sonntag wurden die acht Preise vergeben, darunter solche für Dokumentar-, Kurz- und Trickfilme. Einzigartig sind die Kategorien „Best Louisiana Feature“ und „Best Louisiana Short“ für Filme von Künstlern, die seit Januar 2010 in Louisiana leben. Es gewannen in diesem Jahr The Experiment von Ben Lemoine über die öffentlichen Schulen nach dem Hurrikan Katrina und Chasing Dreams: A Leah Chase Story über die „Königin der kreolischen Küche“ und Aktivistin Leah Chase.
Eröffnungsfilm war der Dokumentarfilm The Big Fix über die BP-Ölkatastrophe 2010 und die historisch enge Beziehung zwischen Politik und Ölfirmen in Louisiana. Der Film wurde von Tom Robbins und Peter Fonda produziert und von den Aktivisten Josh Tickell (aus Mandeville, Louisiana) und Rebecca Harrell Tickell gefilmt. Während er dieses Jahr in Cannes nur spärlich besucht war, waren die Vorstellungen in New Orleans ausverkauft.
Das Filmfestival war auch Anlass für die Rückkehr von Paul Gailiunas, Arzt und Witwer der Filmemacherin und Aktivistin Helen Hill, die 2007 in ihrem Haus in ihrer Wahlheimat New Orleans ermordet wurde. Und zwar zu einer Zeit, wo Leute wie dieses junge Paar versuchten, der Stadt nach Katrina wieder auf die Füße zu helfen, und die hohe Mord- und Kriminalitätsrate einige für immer aus der Stadt vertrieb. Paul Gailiunas war bei dem Überfall selbst verwundet und später sogar des Mords verdächtigt worden. Mit Zögern und Unruhe kehrte er jetzt in die Stadt zurück, um den Film vorzustellen, den Helen Hill begonnen und er fertig gestellt hat. The Florestine Connection, nur 31 Minuten lang, erzählt die Geschichte der Kleidermacherin Florestine Kinchen, aber auch die Geschichte von Helen Hill und New Orleans, so heißt es. Der Film wurde zuerst im Contemporary Arts Center gezeigt. In der nachfolgenden Fragestunde ging es noch einmal um das Verbrechen selbst und darum, was Helen Hill und ihr Mann für die Stadt bedeutet haben. Und schließlich, so berichtet die Times-Picayune, sagte ein Mann in der letzten Reihe: „Es ist vielleicht anmaßend, aber New Orleans heißt Sie wieder herzlich willkommen.“ Also, mich bewegt so etwas.



Freitag, 23. September 2011

Das Sousaphon

Musik ist in New Orleans überall und meistens wird sie geblasen. Von Anfang an gehörte die Tuba dazu, auch beim Jazz. Als sich aber der Jazz in andere Städte ausbreitete, wurde die Tuba durch den Kontrabass abgelöst. Doch in New Orleans ist sie geblieben. Mit der Tuba, so heißt es bei NPR (hier, mit Musikbeispielen), ist es schwieriger, eine klare Basslinie zu spielen, denn die Tuba blubbert und pumpt eher, als dass sie konturiert.
Eine Tuba lässt sich allerdings viel besser im Gehen spielen als ein Kontrabass. Überhaupt kann man mit Blasinstrumenten, die für den Jazz so typisch sind, gut gehen oder marschieren. Oder die Straße entlang tänzeln: zum Karneval, bei jazz funerals (Jazzbeerdigungen) und zu vielen anderen Anlässen. Und dahinter tanzen die Leute dann in der second line (der zweiten Reihe).
Da aber Tubas wegen ihrer Größe sehr unhandlich sind, erfand der amerikanische Komponist John Philip Sousa (1854-1932) das Sousaphon. Das tat er zwar nicht für Jazzbands, sondern für die Kapellen und Musikkorps des Militärs, für die er seine Musik komponierte. Aber der Jazz entstand ja überhaupt aus der Zweckentfremdung der Instrumente, die sich die europäischen Einwanderer mitgebracht hatten, um brav ihre Märsche zu spielen.
Anders als eine normale Tuba schlingt sich das Sousaphon wie eine Python um den Oberkörper des Spielers. Der größere Röhrendurchmesser sorgt für einen wärmeren Klang und der große, nach vorn gerichtete Schallbecher bringt diesen besser ins Publikum. Das Sousaphon ist typisch für den Sound von New Orleans.
Die vielköpfige Rebirth Brass Band, die Dirty Dozen Brass Band (mit wohl 12 Musikern) , die Hot 8 Brass Band (mit 8) klingen nicht so präzise und ordentlich wie herkömmliche Jazzbands, sondern immer live. Auch Bonerama macht Funk-Rock mit Bläsern. Diese Blasbands mit ihren wilden Bläsern und Trommlern, und natürlich mit Sousaphon, werden in New Orleans heiß und innig geliebt und spielen ihre unbändige Mischung aus Jazz, Funk, Soul, Hip Hop regelmäßig dort vor ihrem Publikum, zum Beispiel im Maple Leaf. Als die Rebirth Brass Band bei der Wiedereröffnung des Contemporary Arts Center nach Katrina im Winter 2006 spielte, da schien es, als ob alles vielleicht doch wieder gut wird. Denn beide, Rebirth und das CAC sind New Orleanser Institutionen und für die Einheimischen Symbol und gelebte Kultur.
Übrigens gibt es hier in Europa, neben diversen Feuerwehrkapellen, auch Roma- oder Balkankapellen, die vor allem Blech blasen und dabei gehen und tanzen. Einige von ihnen, so die Fanfara Kalashnikov, spielen auch nicht einfach Tuba, sondern Sousaphon. Und so rufe ich ins Universum: Dankeschön, Herr Sousa!

Donnerstag, 22. September 2011

24. September 2011: Museum Day

Diesen Sonnabend schon was vor? 
Das Smithsonian Magazine, die Zeitschrift der Smithsonian Institution in Washington, D.C., in eigenen Worten der „weltgrößte Museums- und Forschungskomplex mit 19 Museen, 9 Forschungszentren und mehr als 140 angeschlossenen Museen auf der ganzen Welt“,  lädt zum 6. Jährlichen Museumstag. 
1.500 Museen und Kultureinrichtungen im ganzen Land nehmen teil. Und das funktioniert so: Man sucht sich einfach das passende Museum aus, lädt sich die kostenlose Eintrittskarte für zwei herunter und geht hin. In New Orleans sind dieses Mal acht Museen dabei.
Im French Quarter:
Möglicherweise das einzige Voodoo-Museum der Welt. Voodoo wird als Religion, als Aberglaube, als Folklore aber auch als Pop und Kommerz dargestellt. Ich erinnere mich, dass es klein und ein bisschen unheimlich ist und dass man angebliche gris-gris kaufen kann, aber ob sie wirken?
Ein 1966 aus einer privaten Sammlung entstandenes historisches Museum und Forschungszentrum. Die aktuelle Ausstellung dokumentiert die 200 Jahre Louisiana als Bundesstaat, die nächstes Jahr im April gefeiert werden. 1812 trat Louisiana als 18. Staat der Union bei.
Im Warehouse District:
Ein sehr lebendiges Allround-Kunstzentrum mit vielen Veranstaltungen in einem wunderschönen restaurierten Backsteinbau. Seit seinem Bestehen 1976 hat es das ganze Viertel wiederbelebt, das jetzt ein Kunstviertel mit vielen Galerien ist. Bis Sonntag laufen im CAC noch drei Ausstellungen: Malereien und Zeichnungen von Brooke Pickett, einer in New Orleans lebenden jungen Künstlerin, die Klanginstallation Drip: the Music of Water in New Orleans und eine Ausstellung von früher Kunst von Tina Girouard (die aus nach New York ging und dort beim Post-Minimalismus und der Pattern und Design-Bewegung mitwirkte) und Robert Gordy (der in New Orleans lebte und 1866 starb).
Ein Museum für Südstaatenkunst, direkt gegenüber vom CAC, so als Kontrast. Modernes schönes Gebäude mit interessanten Sammlungen und Ausstellungen. Jeden Donnerstag Abend von 18-20 Uhr gibt es Ogden after hours, eine Veranstaltung mit Musikern aus den Südstaaten und Interview eines Historikers. Man kann Musik hören, ein Glas Wein trinken und im ganzen Haus herumwandern, wenn ich mich recht erinnere, auch auf's Dach. Heute Abend spielt der New Orleanser Musiker Paul Sanchez,  Begründer der Band Cowboy Mouth. 
Laut U.S. Family Travel Guide das beste Kindermuseum des Landes und “#1 attraction for Child Appeal”, also auch wirklich was für Kinder, ich war dabei! Feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen; letzten Sonnabend gab es eine große Party mit einer Second Line durch das ganze Haus. Es gibt einen Mini-Hafen von New Orleans, ein Kindercafé, man kann in riesige Pupillen eintreten und sehen, wie das Auge funktioniert, und mehr.
Ein Museum zu Essen und Getränken in den Südstaaten. Derzeit gibt es eine Ausstellung über Zucker (und Zuckerrohr, das ja in Louisiana weitläufig angebaut wird) und über das Gourmetrestaurant Galatoire’s.
Ein Museum zum Zweiten Weltkrieg. Morgen, am 23. September, gibt es dort ein Konzert mit der Victory Big Band zum Thema Glenn Miller: in the Mood. 

Ein Kulturzentrum mit Museum, das die beträchtliche Einwanderergruppe aus Italien und ihre Kultur und Geschichte dokumentiert. Sprachkurse, eine Bibliothek, Vorträge (z.B. zur Oper), man kann Bocce lernen und mehr. Es befindet sich im Central Business District (CBD) in der Nähe der Piazza d’Italia (1978 von Charles Moore).