Mittwoch, 8. Mai 2013

Polk Salad Annie


Am Anfang stand ein Post auf Facebook mit den Worten Gorgeous - and maybe just right for Ina  (Wunderschön – und vielleicht genau das Richtige für Ina?) und diesem kleinen Video. Es ist ein Lied von 1969, in dem der Sänger Tony Joe White (*1943) Leuten, die sich im Süden nicht so auskennen, eine kleine Geschichte erzählt, von Polk Salad und von Annie, die so arm ist, dass sie sich davon ernähren muss. Ihre Großmutter haben die Alligatoren geholt, heißt es, die Mutter arbeitet in einer chain gang (Sträflingskolonne) und der Vater sagt, er kann nicht arbeiten, weil er Rückenschmerzen hat. 
Der Verfasser und Sänger, Tony Joe White, beschreibt damit ein wenig seine eigene Kindheit, denn er wuchs im Nordosten Louisianas in einfachen Verhältnissen auf, in einem Örtchen namens Oak Grove, das sich unweit des Mississippi in den Sümpfen befindet. 
Was hat es mit diesem Polk-Salat auf sich? Polk salad oder pokeweed sind die jungen Blätter eines Unkrauts names Phytolacca americana (Kermesbeere), das auf den Feldern wächst und hochgiftig ist. Man muss es drei Mal in Wasser kochen, damit es genießbar wird, und, laut Tony Joe White, schmeckt es ein bisschen wie Steckrübengrün oder Spinat. Es ist ein echtes Arme-Leute-Essen und Annie kann sich und ihre Familie nur ernähren, indem sie auf die Wiese geht und ein bisschen Polk Salad pflückt. Kermesbeeren werden bei uns übrigens in der Homöopathie eingesetzt.
Das Lied gehört zu einer Untergattung namens Swamp Rock (Sumpfrock). Elvis Presley hat es gecovert, in sein Standardrepertoire aufgenommen und richtig bekannt gemacht. Da war er dann zwar schon aufgeschwemmt und im strassbesetzten Overall, aber Elvis stammte selbst aus sehr ärmlichen Verhältnissen in Tupelo, Mississippi, nur 300 Kilometer weiter nach Nordosten. (In die Zweizimmerhütte habe ich mal einen Blick hineingeworfen.) 
Tony Joe White hat eine erfüllte Karriere hinter sich, doch bekannt geworden sind seine Lieder meist durch andere, wie auch Rainy Night in Georgia durch Brook Benton, wobei die Fassung von Ray Charles auch sehr schön ist. 
Appetit auf Polk Salad habe ich jetzt zwar nicht bekommen, aber Tony Joe White ist tatsächlich genau das Richtige für mich. Danke, Katy.

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