Die Zeitschrift Travel + Leisure hat New Orleans in diesem Jahr zur "Besten Stadt Amerikas" (America's Best City) gekürt. Die Stadt rangierte in mehr als der Hälfte der Kategorien unter den ersten fünf. Dazu gehören die "zivilisierten" Vergnügungen wie gepflegtes Essen, Architektur und Antiquitäten, wie auch die "ausgelassenen" Pläsierchen wie Musik und illustre Leute beobachten. Wie es eine Leserin der Zeitschrift bemerkte: New Orleans ist der Inbegriff von Seele: starke Menschen und gutes Essen gemischt mit leidenschaftlichen Melodien. ("New Orleans is the epitome of soul: strong people and satisfying food mixed with passion-fueled tunes.")
Komischerweise zählen die New Orleanser laut dieser Umfrage nicht zu den attraktivsten Bewohnern der USA (während San Juan, Puerto Rico, gar nicht schlecht wegkam. Dabei gibt es in New Orleans auch viele Puertorikaner). Hier kann man übrigens verschiedene Städte der USA ihrer Beliebtheit nach vergleichen.
Mittwoch, 14. November 2012
Troubled Water
Letzten Freitag war ich tatsächlich bei der angekündigten Finissage in der Galerie erstererster im Prenzlauer Berg. So fast jedenfalls. Ich kam eine halbe Stunde früher an und gleich mit dem Referenten des Abends, Erik Kiesewetter, und der Fotografin, Constanze Flamme, ins Gespräch. Erik Kiesewetter ist Graphikdesigner und Kulturorganisator einer Agentur namens Constance (was für ein Zufall). Unter anderem hat er die letzte New Orleans Biennale mitbetreut und veranstaltet auch eine Art Kunstmarkt unter dem Namen Avant Garden. Sein Name und seine Herkunft sind übrigens deutsch, und so heißt es auf seiner sehr ästhetischen Webseite "Willkommen y'all".
Constanze Flamme war 2011 und 2012 in New Orleans und Louisiana und hat dort fotografiert. Einige wenige Fotos hingen in der Galerie und ihr Katalog Troubled Water lag aus: farbenfrohe, stimmungsvolle und doch ruhige Bilder, die die Auswirkungen von Katrina und der BP-Ölkatastrophe zeigen. Sie erzählte mir von ihrer Hassliebe für die Stadt, was mir als ein sehr jugendlich ungestümes Gefühl erscheint für eine Region, die man ein paar Mal besucht hat? Üblicherweise scheiden sich an New Orleans die Geister, entweder man hasst es oder man liebt es.
Eigentlich sollte Erik Kiesewetter einen Vortrag über New Orleans halten, und beim Techniktest waren auch einige vielversprechende Abbildungen zu sehen und er war ein kluger und wissender Gesprächspartner. Die Galerie füllte sich langsam, doch eine Stunde nach der angekündigten Anfangszeit musste ich enttäuscht die Segel streichen. Constanze Flamme entschuldigte das mit den Berliner Gegebenheiten, was ich übrigens für ein Missverständnis halte (ebenso wie die Tatsache, dass man die Öffentlichen heute eigentlich nur noch mit einer offenen Bierflasche in der Hand benutzt).
Der größte Teil ihrer Fotos ist noch bis 3. Februar 2013 in einer Privatgalerie zu besichtigen: www.uncommonplace.de (nach vorheriger Anmeldung). Schade war's, aber vielleicht werde ich Erik Kiesewetter bei Gelegenheit in New Orleans erleben können.
Constanze Flamme war 2011 und 2012 in New Orleans und Louisiana und hat dort fotografiert. Einige wenige Fotos hingen in der Galerie und ihr Katalog Troubled Water lag aus: farbenfrohe, stimmungsvolle und doch ruhige Bilder, die die Auswirkungen von Katrina und der BP-Ölkatastrophe zeigen. Sie erzählte mir von ihrer Hassliebe für die Stadt, was mir als ein sehr jugendlich ungestümes Gefühl erscheint für eine Region, die man ein paar Mal besucht hat? Üblicherweise scheiden sich an New Orleans die Geister, entweder man hasst es oder man liebt es.
Eigentlich sollte Erik Kiesewetter einen Vortrag über New Orleans halten, und beim Techniktest waren auch einige vielversprechende Abbildungen zu sehen und er war ein kluger und wissender Gesprächspartner. Die Galerie füllte sich langsam, doch eine Stunde nach der angekündigten Anfangszeit musste ich enttäuscht die Segel streichen. Constanze Flamme entschuldigte das mit den Berliner Gegebenheiten, was ich übrigens für ein Missverständnis halte (ebenso wie die Tatsache, dass man die Öffentlichen heute eigentlich nur noch mit einer offenen Bierflasche in der Hand benutzt).
Der größte Teil ihrer Fotos ist noch bis 3. Februar 2013 in einer Privatgalerie zu besichtigen: www.uncommonplace.de (nach vorheriger Anmeldung). Schade war's, aber vielleicht werde ich Erik Kiesewetter bei Gelegenheit in New Orleans erleben können.
Sonntag, 11. November 2012
Jackson Square
Der zentrale Platz im French Quarter ist der Jackson Square,
nach einer Seite hin offen, ansonsten gesäumt von den Pontalba Apartment
Buildings, der St. Louis Cathedral, dem Cabildo und dem Presbytère beiderseits
der Kathdrale (Foto). In der Mitte befindet sich ein kleiner gestalteter Park mit
Bänken und einer Statue für General Jackson auf seinem Pferd, das Ganze umgeben von einem
hohen eisernen Zaun. Auf dem umliegenden Pflaster sitzen
Porträtzeichner, Maler, Wahrsagerinnen, Schuhputzer, Musiker für die Touristen, und gelegentlich schlendern Polizisten vorbei.
Der Platz wurde dem Place des Vosges (Vogesenplatz) im Pariser Marais nachempfunden (ist allerdings viel kleiner) und hieß früher
Place d’Armes (Platz der Waffen). Nach der Schlacht von New Orleans, die Andrew Jackson siegreich
gegen die Engländer führte, wurde der Platz nach ihm benannt (1815, die Statue steht seit 1856). Auf der offenen
Seite zum Fluss hin ist die Decatur Street, an der geschmückte Kutschen mit Mauleseln und illuster
bekleideten Stadtführern auf Touristen warten. Im September gingen von dort
auch die neuen Doppelstockbusstadtrundfahrten los, die gerade eingeführt
wurden.
Geht man über die geschwungene Treppe jenseits der Decatur Street weiter, über die Straßenbahngleise und wieder eine Treppe hinauf, dann kommt man zum Moonwalk (Foto), einer befestigten
Flusspromenade, auf der man über den weiten, geschwungenen
Mississippi hinwegblicken kann, benannt nach Bürgermeister Moon Landrieu (geb.
1930, 1960-66), Vater der Senatorin Mary Landrieu und des jetzigen
Bürgermeisters Mitchell Landrieu.
Jener hat jetzt einen Gesetzesentwurf einbringen lassen, dass der Jackson Square von 1 bis 5 Uhr früh zur Reinigung geräumt werden muss, was nachtaktive Wahrsagerinnen und Musiker empört (hier). An den verschiedenen Ecken sind auch die Preservation Hall, das Café du Monde, Pirate’s Alley. 80% der Besucher der Stadt besuchen den Jackson Square, und die genießen es, dass es keine Sperrstunde gibt und man jederzeit auf offener Straße (oder auf dem Platz oder der Promenade am Fluss) Alkohol trinken darf. Mitch Landrieu wird sich doch nicht unbeliebt machen wollen...
Jener hat jetzt einen Gesetzesentwurf einbringen lassen, dass der Jackson Square von 1 bis 5 Uhr früh zur Reinigung geräumt werden muss, was nachtaktive Wahrsagerinnen und Musiker empört (hier). An den verschiedenen Ecken sind auch die Preservation Hall, das Café du Monde, Pirate’s Alley. 80% der Besucher der Stadt besuchen den Jackson Square, und die genießen es, dass es keine Sperrstunde gibt und man jederzeit auf offener Straße (oder auf dem Platz oder der Promenade am Fluss) Alkohol trinken darf. Mitch Landrieu wird sich doch nicht unbeliebt machen wollen...
Sonntag, 4. November 2012
Aktuelles
In der Galerie erstererster in der Pappelallee 69 in Berlin findet noch bis Freitag die Fotoausstellung Troubled Water mit Fotos aus New Orleans statt. Fotografiert hat Constanze Flamme. Am Mittwoch, 7. November, 20 Uhr gibt es dort den Film The Sound after the Storm, ein Dokumentarfilm, der auch vor circa zwei Jahren im Kino lief. Am Freitag 20 Uhr ist eine Finissage mit einem Vortrag des jungen New Orleanser Künstlers Erik Kiesewetter, und Louisiana Cocktails und Funk aus New Orleans werden auch versprochen. Ich habe die Ankündigung gerade erst erhalten, aber vielleicht sehen wir uns dort...
Samstag, 3. November 2012
Im Netz
Die Cajun-Hauptstadt Lafayette, Louisiana, ist eine der
wenigen Städte der USA, die über ein städtisches Breitband-Internet-System
verfügen. LUS Fiber ist eine Tochter von Lafayette Utilities System, dem
stadteigenen Stromanbieter, und bietet neben einer Internetverbindung mit einer
Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde auch Kabelfernsehen und Telefon an.
Das ließ sich nicht ohne massiven Widerstand,
Fehlinformationskampagnen und sogar Klagen vor Gericht seitens zweier privater
Anbieter durchsetzen, doch 2007 entschied das Oberste Gericht von Louisiana
zugunsten der Stadt. Mehr als 1.200 Kilometer Glasfaserkabel wurden dazu unter
der 120.000 Einwohner-Stadt verlegt. Anders als bei anderen Anbietern ist die angekündigte Übertragungsgeschwindigkeit hier gewährleistet. Damit ist
Lafayette nicht nur eine der Cyber-Avantgarde-Städte, sondern es haben sich
auch Firmen neu angesiedelt, wie zum Beispiel Skyscraper Holding, die wegen der
entstehenden Kostenersparnis von Los Angeles nach Lafayette gezogen sind.
Die Gastroenterology Clinic of Acadiana konnte fast völlig in eine
elektronische Klinik umgewandelt werden und gestattet Internet-Konsultationen
zwischen Krankenpflegern und Ärzten in verschiedenen Teilen der Stadt. Noch ist nicht sicher, ob sich das System finanziell tragen wird, doch
heißt es, dass schon der Firmenzuzug und der schnelle Internetzugang für Schulen, Bibliotheken und
private Haushalte die Sache wert sind. Siehe hier.
New Orleans ist in anderer Hinsicht wegweisend. Die Stadt,
die für ihre Korruption und Vetternwirtschaft berühmt-berüchtigt ist/war,
bemüht sich seit Hurrikan Katrina um Behebung des Problems, durch neue
Strukturen bei der Polizei, die Auflösung der Schulbehörde usw. Bürgermeister
Mitch Landrieu setzt sich seit seiner Amtseinführung für mehr Transparenz und
Effektivität der Arbeit der Stadtregierung ein. Eine Mittel dazu ist die
Webseite data.nola.gov, die seit August 2011 Budgetdaten usw. veröffentlicht.
Noch ist die Auflistung im Entstehen, doch die Benutzer können Anregungen
dafür geben, welche Daten genau sie sich wünschen.
Die aus Spenden finanzierte Organisation Code for America setzt sich ebenfalls für
mehr Transparenz ein, die das Verhältnis von Bürgern und Regierenden verbessern soll. Dazu werden bestimmte
Städte ausgewählt und dann Fellows rekrutiert, also junge Programmierer
und Webdesigner. In New Orleans wurde auf diese Weise mit OpenSource-Programmen eine Webseite erstellt, die verlassenen
und verkommenen Häusern gewidmet ist. Diese können nicht nur das Stadtbild verschandeln,
sondern wie wir über die Theorie der zerschlagenen Fenster (Broken windows
theory) wissen, Vandalismus und schwerwiegendere Kriminalität zur Folge haben, und deshalb wird das eigentlich auch geahndet. Auf blightstatus.nola.gov lässt
sich jetzt der Status solcher Adressen einsehen; aktualisiert wird jeden Dienstag,
17 Uhr Ortszeit. Gelesen hatte ich darüber u.a. hier in der taz.
Ein
wenig erinnert mich das an eine andere Webseite, besser gesagt einen Blog
namens Squandered Heritage (Vergeudetes Erbe), auf dem die Begründerin Karen
Gadbois Häuser dokumentierte, die nach Katrina abgerissen wurden oder zum
Abriss vorgesehen waren, manchmal für die Eigentümer im Exil die einzige
Informationsquelle. Inzwischen hat sie eine preisgekrönte Webseite gegründet, The Lens (Die Linse), die sich mit Politik,
Umwelt, Schulen, Bebauungsplanung, Strafjustiz, investigativem Journalismus
beschäftigt, auf der Squandered Heritage als Rubrik fortgeführt wird. Seit der Entkernung der Tageszeitung Times-Picayune, die seit Oktober nur noch drei Mal wöchentlich als Druckausgabe erscheint, ist The Lens noch wichtiger geworden.
Hier noch ein Hinweis auf eine kleine Aktion, über die ich
auf Facebook erfahren habe. Hurrikan-Katrina-Veteranen haben kleine Weisheiten
und Wünsche für von Hurrikan Sandy betroffene New Yorker geschrieben und sich
damit fotografieren lassen. Von Herzen, und das ist sehr berührend. Hier.
Irgendwie ist eben doch alles verbunden.
Donnerstag, 1. November 2012
Louisiana Book Festival
Vergangenen Sonnabend fand in Baton Rouge das diesjährige
Louisiana Book Festival statt, bei dem 145 Autoren lasen oder über ihre Bücher
sprachen. Den Louisiana Writer Award (Schriftstellerpreis) für 2012 erhielt
John Biguenet, ein aus New Orleans gebürtiger Autor, der dort sehr präsent ist, von dem ich bisher aber nur kurze Sachen gelesen habe. Er übersetzt auch
aus dem Französischen und sein Roman Oyster
ist in französischer Übersetzung erschienen (als Le Secret du Bayou, ohne Übersetzer). In einer
Berliner Bibliothek findet sich sein Werk zu Übersetzungstheorien, doch er ist
vor allem auch Theaterautor und eines seiner Hörspiele (Wundmale) soll im WDR bzw. im
Österreichischen Rundfunk gelaufen sein. Mir gefällt auch sein präziser und
sachlicher Blog, den er nach Katrina für die New York Times verfasst hat. Ein
Autor, der für uns Deutschsprachige noch zu entdecken ist.
Beim Louisiana Book Festival gab es auch eine
Kunstausstellung, Essen, Geschichtenerzähler für Kinder und „Wordshops“ für
Schreibende. Beeindruckt hat mich, dass sich gleich auf der ersten Seite eine Rubrik mit dem Titel „Special Needs“
(Besondere Bedürfnisse) befindet, mit Hinweisen auf barrierefreie Parkplätze
und Transportservice. Dort ist auch ein Foto mit einer Gebärdendolmetscherin für
Gehörlose zu sehen, denn kostenloses Gebärdendolmetschen wurde gewährleistet. Außerdem bot das Programm eine „Lesung aus Braille“, organisiert
vom Nationalen Blindenverband in Louisiana. Man mag das als Politische
Korrektheit verteufeln (die ich persönlich für richtig und wichtig halte),
doch ist es nicht denkbar, dass man sich als Betroffene mit diesem Begriff besser und gleichberechtigter
angesprochen fühlen könnte? Abgesehen von Begrifflichkeiten scheint es mir, dass die
Berliner Literaturfestivals bezüglich der Einbeziehung von Menschen mit
Behinderungen (oder mit besonderen Bedürfnissen) noch Nachholbedarf haben.
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Katrina, Rita, Irene, Isaac, Sandy
Teile von New York und anderen Städten stehen unter Wasser,
es gab Brände, unzählige Bäume sind umgestürzt, Menschen gestorben. 7,5
Millionen Menschen an der Ostküste waren ohne Strom, die Skyline in Manhattan
im Dunkeln. In 16 Bundesstaaten sind Notunterkünfte des Roten Kreuzes
eingerichtet. Die New York Times titelt, dass es Tage dauern wird, bis alles
wieder normal läuft. Allein wie ein so gigantisches unterirdisches System wie
die New Yorker U-Bahn (das sicher ohnehin nur funktioniert, weil es noch steinalt
und mechanisch ist) wieder in Gang kommen soll, ist unvorstellbar. Noch dazu,
wenn in den Tunneln immer noch das Wasser steht. Ich bin gern in New York und
ich mag Washington und viele andere Orte, die betroffen sind.
Und doch dachte ich gestern kurz: „Jetzt sehen die mal, wie
das ist.“ Und fragte mich gleich, wer genau sind „die“? Es sind natürlich nicht
meine Freunde und Bekannten an der Ostküste, es sind nicht die Leute, die
gestorben sind oder denen der Wind in Chelsea die Fassade zu ihren Wohnungen weggerissen
hat. Aber dort, wo viele der Macher wirken, ist Sandy plötzlich einfach vor die Haustür gekommen und rückt ins Bewusstsein, was so ein Hurrikan bedeutet. Wie wichtig
die FEMA (die Bundeskatastrophenbehörde) ist, die unter George Bush degradiert
wurde, und die Mitt Romney weiter reduzieren und deren Verantwortung er den
einzelnen Bundesstaaten auferlegen will. Dass Ausmaß und Häufigkeit von
Naturkatastrophen zugenommen haben und der Zusammenhang mit der Erderwärmung
ist so offensichtlich, dass sich Wissenschaftler eigentlich endlich nicht mehr
für diese Erkenntnis erklären und verteidigen müssten. Manchen Republikanern
gegenüber müssen sie das immer noch, und auch der liebenswürdige Obama ist in
dieser wie auch in vielerlei anderer Hinsicht sehr zögerlich geworden.
Möge der Hurrikan all denjenigen, die über New Orleans und Louisiana
den Kopf schütteln, ein Licht aufgehen lassen. Denen, die denken, dass nur
Verlierer und Faulenzer in einer Gegend wohnen, die immer wieder
überflutet. Dass diejenigen, die auf Häuserdächern, in Notunterkünften, auf
Brücken, durch das Wasser watend gezeigt wurden, minderwertig und dumm oder
vielleicht auch sündhaft sind und ihr Schicksal irgendwie verdient haben.
Viele Amerikaner schämen sich zutiefst für Katrina, sind schockiert, dass ihr Land eine Stadt und ihre Menschen so im
Stich gelassen hat, dass so etwas in ihrem Land möglich war. Das höre ich, das
lese ich immer wieder, auch bei den jetzigen Berichterstattungen wird der
Vergleich zu Katrina gezogen.
Selbst in dem absurden, mit popkulturellen gespickten
Zombieroman Brains von Robin Becker gibt
es zum Schluss eine winzige Passage des, ja, Gedenkens an Katrina.
Zombieprofessor Jack Barnes, der schreiben, aber nicht mehr sprechen kann,
nähert sich mit seiner Gruppe denkender Zombies auf einem Boot dem Ufer, wo ein
paar Soldaten und andere sie erwarten. Er hält ein Schild hoch: WE ARE YOU!
(Wir sind ihr.) Sein Begleiter schlägt vor, die Soldaten anzusprechen:
„... sobald
sie wissen, dass ich sprechen kann, können sie uns nicht umbringen.
[Jack:] Ich traute dem Militär nicht. Ich dachte an Hurrikan
Katrina. Die Amerikaner dort konnten sprechen. Die Amerikaner dort hatten genau
wie ich Schilder hochgehalten. Auf Dächern gestrandet, von steigenden Fluten
umgeben. Hilft uns, stand auf den Schildern. Rettet uns.“
(„...once they know I can speak, they can’t kill us.“
I didn’t trust the military. I remembered Hurricane Katrina.
Those Americans could speak. In fact, those Americans held up signs just as I
had. Stranded on rooftops, the floodwater rising. Help us, the signs said. Save
us.)
Möge Hurrikan Sandy auch
den letzten ein Licht aufgehen lassen.
Sonntag, 28. Oktober 2012
Alice Kessler-Harris: A Difficult Woman
Vor knapp zwei Jahren notierte ich mir zu meinem ersten Buch von Lillian Hellman, An Unfinished Woman (Eine unfertige Frau): „So ein
umwerfendes, offenes Buch! New Orleans, New York, Hollywood, Spanischer
Bürgerkrieg, Sowjetunion im Krieg, immer wieder Moskau, die schwierige Liebe zu Dashiell Hammett. Eine Entdeckung!“ Es ist die rasante Autobiografie einer Diva, die während des Bürgerkrieges nach Spanien reist, im 2. Weltkrieg über Alaska und Sibirien nach Moskau und an die Front, Hemingway und anderen großen Namen begegnet und über ihre lange Beziehung zu Dashiell Hammett berichtet. Ich habe das Buch verschlungen und zu einem meiner Lieblingsbücher erklärt. Etwas später versuchte ich es mit Maybe (Vielleicht), doch das war mir zu persönlich und zu viel Klatsch. Als ich dann
las, dass Mary McCarthy über Lillian Hellman meinte: „Jedes Wort, das sie schreibt, ist eine Lüge, einschließlich and und the“, war ich zutiefst enttäuscht. Was mich so begeistert hatte, alles
erlogen?
Sicher auch wegen dieser Bemerkung ist Lillian Hellmanns Ruhm selbst in den USA etwas verblichen. Dabei war sie in der Mitte und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
eine bedeutende Theaterautorin, die erste Frau unter den erfolgreichen Dramatikern ihrer Zeit, als noch weniger Frauen
als heute für die Bühne schrieben. Sie tat dies ausdrücklich als Dramatiker
und nicht als Dramatikerin (woman playwright), und bezeichnete ihrerseits Mary
McCarthy als „lady writer“. Auch nicht nett.
Aber so war sie, die Person Lillian Hellman,
die ihre Zeit vermutlich ebenso stark geprägt hat wie die Schriftstellerin. So gibt es auch mehrere Biografien über sie, doch die
Historikerin Alice Kessler-Harris (von der Columbia University) hat ihr jetzt eine ausführliche Biographie
gewidmet, die sich ihrem Leben und Werk aus zeitgeschichtlicher Sicht annimmt. Das Buch heißt A Difficult Woman. The Challenging Life
and Times of Lillian Hellman (Eine
schwierige Frau. Die Herausforderung des Lebens und der Zeiten von Lillian
Hellman, zum Bestellen bei Bloomsbury hier). Tatsächlich gehörte Lillian Hellman wohl zu jenen Frauen, die mir mit ihrer
Zickigkeit und ihrem Eigensinn eine tiefe Mädchenangst einjagen. Aber als
Persönlichkeit, die sich trotz verschiedenster Anfeindungen ihr Leben lang treu blieb, achte und schätze ich sie.
Lillian Hellman wurde 1905 in New Orleans geboren und
verbrachte ihre Kindheit und Jugend abwechselnd dort und in New York. Sie heiratete
jung, ließ sich wieder scheiden, hatte eine Abtreibung. Durch ihre
Arbeit in einem Verlag, durch die Ehe und Freundschaft mit Schriftstellern und
schließlich auch durch ihre Beziehung zu Dashiel Hammett fand sie selbst zum Schreiben. Zu ihren (hoch moralischen) Theaterstücken gehören The Children's Hour (1934; Kinderstunde), The Little Foxes (1939; Die kleinen Füchse) und Toys in the Attic (1959; Puppenstube).
Nach eigener Aussage blieb sie Südstaatlerin, geprägt
durch ihre schwarze Amme Sophronia, und durch New Orleans, eine Stadt mit einem
intensiven kulturellen Leben, eine Stadt, wo Schwarze und Weiße schon immer enger
zusammenlebten als anderswo. Lillian Hellman war (deutschstämmige)
Jüdin und im Sinne des tief verwurzelten Reformjudentums in New Orleans
aufgewachsen, was sie von den orthodoxen osteuropäischen Einwanderern zweiter
Generation, die in New York ihre Kollegen wurden, grundlegend unterschied.
Unter den
Machoschriftstellern ihrer Zeit behauptete sie sich souverän, und gern band sie, auch verheiratete, auch jüngere, Männer freigiebig sexuell in ihr Leben ein, war sexuell selbstbestimmt und freizügig. Das nahm man ihr immer
wieder übel. Man nahm ihr auch übel, dass sie nicht intellektuell war,
sondern den Geschmack der durchschnittlichen Kulturkonsumenten (middlebrow)
ansprach. Sie schaffte es nicht nur, unabhängig von ihrer
Arbeit als Schriftstellerin zu leben, sondern durch geschickte und sparsame
Verwaltung ihrer Finanzen sogar finanzielle Sicherheit und einigen Wohlstand
für sich zu erwerben, was für Frauen ungewöhnlich war und eigentlich auch oft noch ist. Auch das nahmen ihr manche übel.
Dass sie sich nicht mit den Zielen der Frauenbewegung identifizierte (sexuelle Befreiung, Gleichstellung im Öffentlichen wie im Privaten), brachte ihr viel Unverständnis ein. Auch hier war ihre Haltung konsequent: „Ob nun BH oder nicht BH, wer die Töpfe abwäscht, ob man ein Sexobjekt ist... hat sehr wenig Bedeutung, außer wenn die Frau, die die Tür hinter sich zuschlägt, sich selbst das Abendessen bezahlen und sich aus dem Winterwind in Sicherheit bringen kann.“
Dass sie sich nicht mit den Zielen der Frauenbewegung identifizierte (sexuelle Befreiung, Gleichstellung im Öffentlichen wie im Privaten), brachte ihr viel Unverständnis ein. Auch hier war ihre Haltung konsequent: „Ob nun BH oder nicht BH, wer die Töpfe abwäscht, ob man ein Sexobjekt ist... hat sehr wenig Bedeutung, außer wenn die Frau, die die Tür hinter sich zuschlägt, sich selbst das Abendessen bezahlen und sich aus dem Winterwind in Sicherheit bringen kann.“
Sie blieb zeit Lebens unabhängig, und während Dashiell Hammett für seine Überzeugung in der McCarthy-Ära
schweigend ins Gefängnis ging, machte sie sich Feinde, indem sie die Kollegen
heftig kritisierte, die ihrerseits Kollegen und Freunde verraten hatten. Angst hatte
auch sie, aber ihr störrisches Gerechtigkeitsbewusstsein brachte sie dazu, mit
Hilfe ihrer Anwälte einen Brief zu verfassen, der ihr bei der Anhörung vor dem Komitee für Unamerikanische Aktivitäten mit
etwas Glück zum Triumph verhalf.
Kurzfristig war sie auch Kommunistin gewesen und verteidigte die
Sowjetunion noch, als andere sich wegen der Gewalt unter Stalin und wegen seines Vorgehens gegen Juden schon längst abgewandt hatten. Lillian Hellman war kaufsüchtig, eitel, nicht zu
Kompromissen bereit, neigte zu Szenen und Unpässlichkeit, war lautstark und aufmüpfig. Sie war auch eine
liebevolle und großzügige Freundin und Patentante, eine passionierte Dozentin am College, eine
zurückhaltende, sehr feminine Frau.
All das weiß ich aus der umfang- und lehrreichen Biografie
von Alice Kessler-Harris, die ihre unterschiedlichen Facetten in jeweils einem Kapitel betrachtet. Wenn der wissenschaftliche Duktus kurzzeitig das Lesen erschwerte, so ist es doch
so gut geschrieben (und zugleich akribisch zitiert und dokumentiert), dass ein
spannendes Porträt entsteht - der Frau Lillian Hellman, wie auch des Landes, in
der Zeit, in der sie lebte.
Ein ganzes Kapitel (Liar, Liar—Lügnerin, Lügnerin) befasst sich mit den Anschuldigungen von Mary McCarthy und den nachfolgenden zermürbenden Gerichtsprozessen. Lillian Hellman mag manches verdreht, falsch zugeordnet oder übertrieben haben, doch sicher nicht mehr als andere autobiografisch Schreibende. Die Suche nach der Wahrheit war ihr wichtig und immer wieder stellte sie sie in Frage. Die Fehde fand erst mit ihrem Tod 1984 ein Ende; Nora Ephron hat diese in dem Musiktheaterstück Imaginary Friends (Imaginäre Freundinnen) verarbeitet.
Ein ganzes Kapitel (Liar, Liar—Lügnerin, Lügnerin) befasst sich mit den Anschuldigungen von Mary McCarthy und den nachfolgenden zermürbenden Gerichtsprozessen. Lillian Hellman mag manches verdreht, falsch zugeordnet oder übertrieben haben, doch sicher nicht mehr als andere autobiografisch Schreibende. Die Suche nach der Wahrheit war ihr wichtig und immer wieder stellte sie sie in Frage. Die Fehde fand erst mit ihrem Tod 1984 ein Ende; Nora Ephron hat diese in dem Musiktheaterstück Imaginary Friends (Imaginäre Freundinnen) verarbeitet.
Ein wiederkehrendes Thema sind die (oft sehr gehässig formulierten) Aussagen, dass Lillian Hellman nicht schön war und es dennoch geschafft hatte, sich durchzusetzen. Für mich war Lillian Hellman schön genug und mich ärgert so etwas, besonders bei Frauen, wie auch der gegenwärtigen Bundeskanzlerin, deren Beruf Schönheit eigentlich nicht
erforderlich macht und - was kann man schließlich für sein Aussehen? Ich nehme
an, dass diese Beleidigungen zu Hellmans Lebzeiten genau so unverblümt
fielen und dass die Biografin sie dokumentieren wollte. Aber (ver)störend sind
sie dennoch.
In der deutschsprachigen Welt mag Lillian Hellman zu
unbekannt sein, als dass eine solche Biografie ihr Publikum finden würde. Deshalb holt Euch zum Anwärmen, liebe Leser und liebe Leserinnen, ihre Autobiografie Eine unfertige Frau (in zwei verschiedenen Übersetzungen erhältlich) aus
der Bibliothek. Alles, was Lillian Hellman darin beschreibt, hat sie so oder so
ungefähr wahrscheinlich tatsächlich in etwa so erlebt.
Samstag, 27. Oktober 2012
Voodoo Experience und anderes
Die Red Stick Ramblers, eine Cajun-Band, die ich kannte, als
wir alle noch jünger waren, spielt in dieser Saison in der Fernsehserie
Treme als Hintergrundband der Geigerin Annie (Lucia Micarelli). Der Frontmann
Linzay Young war auch in Anthony Bourdains No Reservations beim Kochen bei den Cajuns auf dem Lande zu sehen
und dort spielte die Band auch, siehe hier. Dieses Wochenende sind sie im Acadian Village in
Lafayette Gastgeber des 5. Blackpot-Festival and Cook-Off. Dort werden also
Cajun-Bands musizieren, und gekocht wird auch, und zwar um die Wette. Es gibt
eine Teilnahmegebühr und am Ende werden drei Preise für das beste
Essen vergeben.
In New Orleans findet unterdessen noch bis morgen Voodoo Experience, ein Musikfestival, im City Park statt. Gestern spielte dort Neil
Young mit Crazy Horse (hier übrigens seine Version von Fats Dominos "Walkin' To New Orleans") und auch ansonsten ist es einfach ein normales Festival mit
einigen lokalen Brassbands und so weiter. Dieses Jahr soll zum ersten Mal Camping im City Park angeboten werden, damit man unter den
Sternen ruhen kann. Mit Voodoo hat das sicherlich nicht viel zu tun, auch wenn
es unheimliche Kreaturen und Geräusche im Park geben mag.
Auf NPR habe ich gestern einen interessanten Beitrag über
Voodoo, Drachen, Vampire und Zombies gehört, die der Wissenschaftsjournalist Matt Kaplan erforscht und mit natürlichen Zusammenhängen (meist Gasen) erklärt hat. Die
Sendung findet man hier.
Interessiert hat mich das, weil ich im Moment gerade Brains. A Zombie Memoir (Hirn. Ein
Zombie-Geschichte) von meiner Freundin Robin Becker lese. Eigentlich bin ich für so etwas zu zart besaitet, aber wer über absurde Details von körperlicher Zersetzung und Zerstörung hinwegsehen oder sie witzig finden kann, wird an dieser grotesken Geschichte
große Freude haben. Es geht um einen Collegeprofessor, der als Zombie zwar
nicht mehr sprechen, aber dafür noch rational denken und schreiben kann und Gleichgesinnte
um sich schart, um eine Art Zombie-Revolte anzuzetteln. Weil ich jetzt
manchmal nachts aufschrecke, bin ich froh, nicht im Park zu übernachten, sondern die heute Nacht zurückerstattete Stunde hier zu Hause in aller Ruhe auskosten zu können.
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Sarah Quintana im Studio in the Woods
Das idyllische Stipendiatenhaus in der Schweiz, in dem ich seit einer Woche zu Gast bin, ist seit gestern von dickem, schalldämpfendem Nebel umhangen. Und weil ich heute abreise, erlaube ich mir, kurz von einem anderen Haus zu träumen, das gelegentlich sicher auch von Nebel umhangen ist: Das Studio in the Woods, gleich hinter dem Damm gelegen, der die Fluten des Mississippi zurückhalten soll. Als ich es vor ein paar Wochen besucht habe, war die New Orleanser Musikerin Sarah Quintana dort Stipendiatin. Dieser Tage endet ihre Zeit dort. Heute Nachmittag, von 14-18Uhr lädt sie zur Tea Party, einem Konzert, wo sie mit Schüsseln und anderen improvisierten Instrumenten musizieren wird. Fahrt hin, wenn Ihr könnt. Ich schreibe bald mehr über sie und meinen Besuch dort. Auf Wiederluege!
Donnerstag, 18. Oktober 2012
Kate Chopins Häuser in Louisiana
Auf der Fahrt von St. Louis über Arkansas nach Louisiana fuhr ich noch tagelang so eine kleine innere Distanz zu den USA herum und dachte mir, wie schön ich es doch in Berlin habe. Und das ist so!
Aber dann fuhr ich nicht wie sonst durch Mississippi, sondern eine andere Strecke durch Nordlouisiana und hielt in Nachitoches, einer kleinen historischen Stadt an einem Bayou mit einem kleinen Festival.
Dort standen Southern Magnolias, die ich wegen ihrer emailleartigen Blätter und Blüten so liebe, und Bananenstauden und Lebenseichen und die Sonne brannte weich, wenn es so etwas gibt. Von wegen Distanz! Ich schmolz dahin. So ist eben Louisiana...
Unterwegs war ich aber eigentlich nach Cloutierville, wo Kate und Oscar Chopin seine Plantage betrieben und wo bis vor Kurzem ein Bayou Folk Museum an sie erinnerte. Das Museum ist vor einigen Jahren abgebrannt und wird wohl nicht mehr aufgebaut werden.
In New Orleans lebte Kate Chopin u.a. in diesem Haus, 1413 Louisiana Avenue.
Durch die Gitter dieses Hinterhofs habe ich erhofft (Ecke Magazine St. und Constantinople St.), einen Blick auf den Eingang einer weiteren ihrer Wohnungen zu erhaschen, aber es lässt sich nur vermuten.
Keine Plakette erinnert an Kate Chopin und außer der traurigen, verlassenen Ruine ihres ehemaligen Plantagenhauses gibt es keinen Ort des Erinnerns an eine der großen Schriftstellerinnen der USA. Und das schon oder nur etwas mehr als 100 Jahre nach ihrem Tod...
Spuren in St. Louis
Als ich im September zwischen St. Louis und New Orleans unterwegs war, bin ich ein wenig auf den Spuren von Kate Chopin gereist, d.h. ich habe versucht, ihre jeweiligen Adressen ausfindig zu machen. Kate Chopin stammte ja aus St. Louis und ihr Kindheitshaus steht wohl nicht mehr, u.a. weil die Straße nur noch ganz tief in der historischen Mitte zwei-drei Straßenzüge lang existiert und dann von einem ausgedehnten Kongresszentrum vereinnahmt wurde (3317 Morgan Street).
Aber ich war im Central West End und habe dort ihre kürzlich aufgestellte Büste gesehen, an einer Kreuzung, wo an jeweils einer Ecke auch T.S. Eliot und Tennessee Williams aufgereiht sind, die auch im Central West End geboren sind.
In diesem Viertel habe ich mir auch ihre Häuser angesehen.
In dieser Wohnung ganz oben links ist Tennessee Williams aufgewachsen (4633 Westminster Place).
Das majestätische Elternhaus von T.S. Eliot (4446 Westminster Place).
Aber ich war im Central West End und habe dort ihre kürzlich aufgestellte Büste gesehen, an einer Kreuzung, wo an jeweils einer Ecke auch T.S. Eliot und Tennessee Williams aufgereiht sind, die auch im Central West End geboren sind.
In diesem Viertel habe ich mir auch ihre Häuser angesehen.
In dieser Wohnung ganz oben links ist Tennessee Williams aufgewachsen (4633 Westminster Place).
Das majestätische Elternhaus von T.S. Eliot (4446 Westminster Place).
Das Wohnhaus, in dem Kate Chopin nach dem Tode ihres Mannes und ihrer Rückkehr in St. Louis wohnte und wo sie zur Schriftstellerin wurde (4232 McPherson Avenue).
Sonntag, 14. Oktober 2012
Cajun-Gewürzmischung
Ob der Fernsehkoch Alfons Schuhbeck schon mal in Louisiana
war? Und dort neugierig Kopfdeckel angehoben oder sogar mitgekocht hat? Ich glaube nicht.
Vor kurzem ist nämlich seine Cajun Gewürzmischung Teil
meines Haushalts geworden. Die Namen der Zutaten kenne ich: Knoblauch,
Paprika edelsüß, Pfeffer, Zwiebeln, Cumin, Coriander, Chillies, Ingwer, Kümmel,
Oregano, Curcuma, Thymian, und das gefällt mir. Auch dass einige extra mit C
geschrieben wurden, wohl in Erinnerung an das C in Cajun (und Cnoblauch?). Ich habe es gleich aufgemacht und daran geschnuppert und besonders den Kreuzkümmel herausgerochen, den ich mir kürzlich für ein
karibisches Bauch-weg-Rezept aus meinem Sportstudio zugelegt habe. "Cajun" roch es aber nicht.
Auf der Webseite steht dann „Traditionsmischung aus der
karibischen Küche. Das Temperament der Karibik: exotisch, sonnig, mit feiner
Schärfe.“ Nun gibt es in Südlouisiana zwar
Cajuns und karibische Einflüsse, aber sie sind nicht dasselbe. In der Karibik
leben vor allem die Nachfahren afrikanischer Sklaven, von denen einige, zum
Beispiel Haitianer nach der Befreiung nach Louisiana kamen. Viele von ihnen werden heute zu den Kreolen gezählt
Die Cajuns wiederum sind eigentlich Franzosen, die vor
vielen Jahrhunderten (Ende des 16. Jhd.) nach Kanada auswanderten und ihren
besonderen altmodischen Dialekt mitnahmen und bewahrten. Ihre Provinz, zu der übrigens auch
Teile des Bundesstaates Maine gehörten -- deshalb gibt es dort auch noch eine
französischsprachige Minderheit -- nannten sie Acadia. Mitte des 18. Jahrhunderts
wurde die Region britisch und die Briten forderten, dass sich die Akadier der
britischen Krone unterwerfen. Als sie sich weigerten, wurden sie 1755
deportiert, wobei viele starben. Die meisten der Akadier, die es schafften,
kamen den Mississippi herunter nach Louisiana, das damals französische Kolonie
war. Dort ließen sie sich in den Wäldern und an den Bayous nieder und lebten
von der Landwirtschaft und vom Fischfang. (Weil sich auf dem sumpfigen Boden
Rinder nicht gut halten lassen, ist – anders als in den übrigen USA --
Schweinefleisch fester Bestandteil der Cajun-Küche.) Aus den Acadiens wurden (durch sprachliche Abschleifung) die Cajuns, die lange Zeit mehr oder weniger ungestört vor sich hin lebten,
nicht üppig, aber indem sie ihre Sprache weiter sprachen, die sie mit gelegentlichen
englischen Einsprengseln versahen, und eine lebendige Ess-, Musik- und
Tanzkultur pflegten.
Karibik stimmt wiederum metaphorisch, denn die
Cajuns lebten in einer völlig neuen natürlichen Umgebung in enger Nachbarschaft mit Schwarzen, Indianern und europäischen
Einwanderern und wurden natürlich auch von diesen beeinflusst.
Und so hat Herr Schuhbeck dann doch wieder alles richtig gemacht.
(Zur Information wird hier übrigens vor Essen gewarnt, das sich New Orleans, Cajun usw. nennt.)
Freitag, 12. Oktober 2012
Facebook...
... is evil -- Facebook ist böse; das lesen wir vor allem auf dieser Seite des Atlantiks immer wieder und es hat mich vorsichtig gemacht. Es ist aber ein geniales Gerät, um über die Kontinente hinweg sofort und ohne Verzögerung verbunden zu sein und über die Entfernung auf dem Laufenden zu bleiben. Als ich heute früh angeschaltet und hineingesehen habe, gab es da Neues von der Audubon Plantation bei St. Francisville (die Schmiede wird wieder hergerichtet), aktuelle Fotos von meiner Cousine und seitenlange Live-Posts, die zwei Literatinnen während der Vizepräsidentendebatte blitzschnell als Kommentare hineingestellt haben. So witzig, so informativ!
Darüber dass Paul Ryan "You see" und "Look" wie Obama verwendet, zwei Kriege auf Kreditkarte finanziert wurden, Ryan als Philosoph?: "Man kann denselben Dollar nicht zwei Mal ausgeben.", die Verbindung zwischen katholischem Glauben und Ultraschall (übrigens ist auch Joe Biden katholisch), wie die Satiresendung Saturday Night Live das Ganze wohl verarbeiten wird...
Wie es der Zufall so will, kennen sich die beiden und haben eine Verbindung nach Louisiana. Die Übersetzerin, Autorin, Professorin und Occupy-Wall-Street-Chronistin und -Aktivistin Susan Bernofsky, die ich hier schon einmal erwähnt habe, ist in New Orleans aufgewachsen. Sie verfasst auch den Blog Translationista über Übersetzerisches.
Die Lyrikerin Laura Mullen aus Kalifornien ist seit einigen Jahren Lyrik-Professorin an der Louisiana State University in Baton Rouge. Vor einigen Wochen war ich bei einer Performance und Lesung aus ihrem neuesten Band Enduring Freedom: A Little Book of Mechanical Brides (Dauerhafte Freiheit: Ein kleines Buch der mechanischen Bräute; eine Anspielung auf die Militäroperation gegen den Terrorismus unter Präsident Bush) in der Baton Rouge Gallery. Laura trug ein Brautkleid, das sie sich für gewöhnlich vom Leibe schneiden lässt, hier allerdings nicht. Dafür gab es zum Schluss echte Hochzeitstorte, die zwei Damen von der Ambrosia Bakery auch geschnitten haben (dort gibt es zur Karnevalszeiten auch hervorragenden Kingcake, besonders zu empfehlen: Zulu Kingcake mit Schokolade und einem braunen Baby). Laura lief herum und rief: "This the best day of my life!" (Das ist der schönste Tag meines Lebens.)
Auf meine Frage, einen Tag später, wie es ihr in Louisiana denn so ergangen sei, sagte Laura nachdenklich: "Louisiana has been deeply good for me" (Louisiana tut mir zutiefst gut). Und weil ich das so berührend fand, hat sie es dann gleich noch einmal gesagt.
Darüber dass Paul Ryan "You see" und "Look" wie Obama verwendet, zwei Kriege auf Kreditkarte finanziert wurden, Ryan als Philosoph?: "Man kann denselben Dollar nicht zwei Mal ausgeben.", die Verbindung zwischen katholischem Glauben und Ultraschall (übrigens ist auch Joe Biden katholisch), wie die Satiresendung Saturday Night Live das Ganze wohl verarbeiten wird...
Wie es der Zufall so will, kennen sich die beiden und haben eine Verbindung nach Louisiana. Die Übersetzerin, Autorin, Professorin und Occupy-Wall-Street-Chronistin und -Aktivistin Susan Bernofsky, die ich hier schon einmal erwähnt habe, ist in New Orleans aufgewachsen. Sie verfasst auch den Blog Translationista über Übersetzerisches.
Die Lyrikerin Laura Mullen aus Kalifornien ist seit einigen Jahren Lyrik-Professorin an der Louisiana State University in Baton Rouge. Vor einigen Wochen war ich bei einer Performance und Lesung aus ihrem neuesten Band Enduring Freedom: A Little Book of Mechanical Brides (Dauerhafte Freiheit: Ein kleines Buch der mechanischen Bräute; eine Anspielung auf die Militäroperation gegen den Terrorismus unter Präsident Bush) in der Baton Rouge Gallery. Laura trug ein Brautkleid, das sie sich für gewöhnlich vom Leibe schneiden lässt, hier allerdings nicht. Dafür gab es zum Schluss echte Hochzeitstorte, die zwei Damen von der Ambrosia Bakery auch geschnitten haben (dort gibt es zur Karnevalszeiten auch hervorragenden Kingcake, besonders zu empfehlen: Zulu Kingcake mit Schokolade und einem braunen Baby). Laura lief herum und rief: "This the best day of my life!" (Das ist der schönste Tag meines Lebens.)
Auf meine Frage, einen Tag später, wie es ihr in Louisiana denn so ergangen sei, sagte Laura nachdenklich: "Louisiana has been deeply good for me" (Louisiana tut mir zutiefst gut). Und weil ich das so berührend fand, hat sie es dann gleich noch einmal gesagt.
Donnerstag, 11. Oktober 2012
On the Road - Unterwegs
Ihren Werken nach zu urteilen, waren die französischen
Surrealisten ein wilder Haufen, mit ihrer Lust auf Sex, Drugs und das
Unterbewusstsein, angestiftet von Übersetzungen der Bücher des Herrn Freud.
Ihre Experimente waren ungewöhnlich und gewagt, ihr Verschleiß an Musen
natürlich groß, obwohl einige davon, Leonora Carrington zum Beispiel, selbst große Künstlerinnen wurden. Dann sieht man aber ein Foto von ihnen
und da stehen sie wie zum Klassenfoto aufgereiht, mit Anzug und Krawatte,
gern auch Tweed, und bloß nicht lächeln. Ganz wie der Gentleman’s Klub, der sie
letztendlich waren, mit Manifesten und Aufnahmeritualen, Ausschlüssen und ihr
Chef, André Breton, brachte es im New Yorker Exil nicht einmal übers Herz,
Englisch zu lernen.
Die Beatniks, USA Ende der vierziger Jahre und fünfziger
Jahre, sind eher eine Generation als eine Kunstrichtung, und
während es immer wieder Hippies, ihre Nachfolger, gibt, so altern Beats eigentlich
nur noch und sterben langsam aus (außer vielleicht
Lawrence Ferlinghetti). Sie lebten das Extrem, experimentierten mit dem Leben,
ähnlich wie der Franzose Boris Vian, der zeitgleich im Dunstfeld der
Existentialisten wirkte (gest. 1954).
In der Person von Jack Kerouac verbinden sich gewissermaßen
Alte und Neue Welt (so wie auch in der Lost Generation um Gertrude Stein und
Ernest Hemingway, die in Paris lebte): Dabei wird gern vergessen, dass der
Verfasser der großen Hymne und des Quasi-Manifests der Beatniks, On the Road, der französischsprachigen Minderheit in Massachusetts
entstammte und also in einer Fremdsprache schrieb. Vor einiger Zeit wurde sein
französischsprachiges Manuskript mit dem Titel Sur le chemin (Unterwegs) entdeckt, das im lokalen Dialekt
geschrieben ist und deshalb erdig und fast kindlich klingt (hier finden sich einige kurze
Ausschnitte).
In dem Film On the Road, der derzeit im Kino läuft,
wird das Französische mehrmals kurz in Szenen mit seiner Mutter angedeutet,
vermutlich wegen der französischen Koproduzenten, denn ansonsten schert das
kaum jemanden. Allerdings gilt in den USA, so mein Eindruck, eher Allen Ginsberg mit dem
Poem Howl als die große Stimme
der Beat Generation.
Anders als das Buch muss sich der Film zur leidigen Kleider-
und Frisurfrage verhalten. Wenn es um lange, anarchische Überlandfahrten,
Drogen, Sex in allen Konstellationen, wilden
jugendlichen Überschuss an Testosteron geht, dann kann man die Darsteller doch nicht
mit Schmachtlocke, kariertem Hemd und Hängeschultern herumlaufen lassen. Oder? Nur Kirsten
Dunst als Deans Frau Camille trägt das Haar in der Nackenrolle der Zeit und
schafft es, authentisch zu wirken und mich mitfühlen zu lassen, eine gute
Schauspielerin, dachte ich mir. Sonst trägt man vor allem H&M-Ähnliches, Kristen Stewart noch dazu ein
gelangweilt-verführerisches Schmollmündchen oder gar nichts, der Darsteller von Dean Moriarty,
alias Neal Cassady, ist überhaupt zu gut und glatt aussehend für die Rolle, Kerouac
wird hier zum schmierigen Mitläufer und Resteabfasser und insgesamt war mir der Habitus der Hauptdarsteller zu modern.
Dem puren
Hedonismus ohne Tiefgang wird immer mal wieder Marcel Prousts Auf der
Suche nach der verlorenen Zeit entgegen
gehalten, allerdings, wie mein Begleiter meinte, eher wie eine Monstranz vor sich
her getragen, als dass man ihnen abnehmen würde, dass es einer von ihnen
wirklich liest. (Mir ist dann auch eingefallen, dass die im Film gezeigte englische Übersetzung In
Search of Lost Time erst 1992 erschienen
ist und Ende der vierziger Jahre noch die erste Übersetzung mit dem kanonischen
Titel Remembrance of Times Past
in aller Munde und Hände war. Fällt das unter "Continuity"?)
So ist jedoch in meiner Erinnerung das Buch: eine rastlose
Suche, ein Aufbruch ohne Ziel, Rebellen auf der Suche nach ihrer Sache (frei nach Rebels Without A Cause). Gelesen habe ich es schon Anfang/Mitte der achtziger Jahre in
der Übersetzung von Bernhard Scheller; für die neue nach der Urfassung war "das Presse-Kontingent erschöpft".
Übrigens: Natürlich fährt die Bande auch nach New Orleans,
und hält sich einige Tage im wunderbaren Landhaus von William Burroughs und
seiner Frau auf. Es befindet sich in Algiers, gleich gegenüber von New Orleans
auf der Westbank (in Bridge City, auch auf der Westbank, gedreht), ein
traumhaftes Plantagenhaus mit hoher Terrasse, umgeben von Bäumen mit
Spanischmoos und lauthals röhrenden Grillen, Licht wie bei Van Gogh, eine warme
Paradies-Oase, ein Innehalten en famille
in diesem ansonsten irgendwie kalten Film.
Trotzdem vergingen die 124 Minuten schneller als befürchtet, die Exzesse machen atemlos und die Kamera zeigt die USA von
weiter, poetischer Schönheit in krisseligen, grellen Bildern wie in den Motorcycle Diaries. Dem Buch wird der Film nicht so recht
gerecht, zu viel Hochglanz, zu viel Hollywood, zu viel kalkulierte
Transgression. Und doch wäre ich neugierig zu sehen, wie die Surrealisten
in einem Film von Regisseur Walter Salles wegkommen würden.
Sonntag, 7. Oktober 2012
The Lucky One
Louvers (oder Britisch: louvres) ist Englisch für
die schräg gestellten Leisten, zum Beispiel an Fensterläden, die auf Deutsch
meist als Lamellen bezeichnet werden. Lamellen heißen auch die Membranen auf
der Unterseite von Pilzen und deshalb bin ich mit dem deutschen Wort nicht ganz
zufrieden, denn anders als vielleicht die filigranen Lamellen an den Plastejalousien
(mini blinds) aus China, sind Louvers an Fensterläden, französischen Türen und
anderswo sehr stabil und starr und aus festem Holz, für die Jahrhunderte
gebaut.
Für mich und für die Filmindustrie sind Louvers Hinweis und Symbol
für den amerikanischen Süden, besonders Louisiana, wo sie zur traditionellen
(und wie das Brad-Pitt-Projekt Make It Right Nola zeigt auch zur modernen) Architektur einfach dazugehören, in Form von
Fenster- oder Türläden, aber nicht nur. So gesehen zum Beispiel in der
Verfilmung von Endstation Sehnsucht
oder in Unterwegs nach Jack
Kerouac, der derzeit in den Kinos läuft.
Auf dem langen Flug habe ich The Best Marigold Hotel gesehen – ein wirklich hübscher und durchaus
bewegender Film über ältere Briten (mit Judi Dench, Maggie Smith usw.), die in
einem verfallenen Hotel in Indien einen ruhigen Lebensabend suchen und dann
doch etwas Anderes finden. Und weil alles so klein und so eng und so unbequem
war, ist mein Blick immer wieder abgeschweift: auf den Bildschirm eines
Passagiers zwei Reihen schräg vor mir. Dort gab es dann eine heiße Liebeszene,
so wie Hollywood es sich vorstellt, wenn ein Paar sich endlich zum ersten Mal
liebt, und diese fand in weichem, warmem Licht und hinter Louvers statt. Das
hat mich neugierig gemacht.
Also habe ich mir nach dem Happy End von Marigold Hotel noch diesen Film angesehen, The
Lucky One (dt. Für immer der
Deine). Es ist die Verfilmung eines
gleichnamigen Romans von Nicholas Sparks, der allerdings statt in North
Carolina in Louisiana spielt, wo man sich freigiebig der anderen Symbole und Stereotypen bedient: Lebenseichen, tolles Plantagenhaus, Zydecomusik usw. Die Schauspieler
sind hübsch, die Landschaften auch und die Geschichte gibt sich ernst und
dramatisch. Logan, ein ehemaliger Marine, macht sich von Colorado aus mit
seinem Hund zu Fuß auf den Weg nach Louisiana, um eine junge Frau zu aufzuspüren,
deren Foto er im Irakkrieg gefunden hat. Wie die etwas Voyeurismus
suggerierende Szene hinter Louvers jedoch andeutet, kann ihre Liebe nicht einfach
so drauf los erblühen, sondern es gibt einige Hürden. Er erzählt ihr nicht, wer
er ist und woher er kommt; sie war schon einmal verheiratet und hat ein Kind; der Exmann ist ein dysfunktionaler Loser und Polizist, der sie terrorisiert und
den Jungen zu einem Mann machen will und als Pfand gegen sie in der Hand hat.
Logan hingegen ist ein richtig männlicher Engel, versteht sich mit allen prima
und hält den Ex in Schach. Der ertrinkt in einer äußerst dramatischen
Unwetterszene am Schluss und dann gibt es Friede Freude Eierkuchen.
Eine erstaunliche Stärke hat der Film: Er schafft es, eine Höchstzahl von Klischees in
sich zu vereinen – Handlung (Liebe, böser Gegenspieler und dessen Tod, Krieg,
Tod des Bruders, über den die Frau nicht hinwegkommt), Louisiana, die Art der Schauspielerei (sie wird einmal fuchtig und reißt Büsche aus und wirft Blumentöpfe um), lieber, gut aussehender Typ, scheinbar ganz ohne Frau, der trotz kurzem Hinweis auf PTSD am Anfang Hunde und Kinder liebt und
Frauen auch. Ein kleines Detail hat mich doch beeindruckt: Beth war vor ihrer
Heirat Mitglied der Leichtathletikmannschaft der Tulane University.
Der
Leuchtturm, der in dem bewussten Foto hinter Beth zu sehen ist und Logan zu ihr
führt, befindet sich in Port Eads, ganz im Süden Louisianas, wo das Land in den
Golf von Mexiko übergeht. Seit Hurrikan Katrina ist er nur noch vom Wasser und
von der Luft aus zu erreichen.
Es soll insgesamt schon sieben Verfilmungen nach Nicholas
Sparks geben und bei allen soll der Verbrauch von Tempotaschentüchern zu einem
Engpass geführt haben. Bei uns lief der Film im Frühjahr und erreichte Platz 3. Gedreht wurde ausschließlich in der Gegend von New Orleans.
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Pralines
Gibt es eigentlich etwas Reineres, Ehrlicheres, Urigeres als
puren Zucker? Das heißt: braunen Zucker, der aus Zuckerrohr gewonnen wird, wie
es in Südlouisiana ausgiebig angebaut wird?
Wenn es dort herbstet, die Sonne tiefer steht und die Luft klammer wird, allerdings ohne bunte Blätter, dann werden die Zuckerrohrfelder abgeerntet und niedergebrannt, und ihr Rauch mischt sich mit dem aus den Schornsteinen der Raffinerien, und ein süßlich-verbrannter Geruch überzieht die Landschaft. Das hat etwas Heimelig-Melancholisches, denn es läutet den Winter ein, der dort natürlich nicht so lang und dunkel ist wie hier.
Wenn es dort herbstet, die Sonne tiefer steht und die Luft klammer wird, allerdings ohne bunte Blätter, dann werden die Zuckerrohrfelder abgeerntet und niedergebrannt, und ihr Rauch mischt sich mit dem aus den Schornsteinen der Raffinerien, und ein süßlich-verbrannter Geruch überzieht die Landschaft. Das hat etwas Heimelig-Melancholisches, denn es läutet den Winter ein, der dort natürlich nicht so lang und dunkel ist wie hier.
Mit braunem Zucker kann man raffinierte Sachen machen, zum
Beispiel einen Mint Julep, einen schmackhaften Sommercocktail, den ich erst
letzte Woche zum ersten Mal hier gemixt habe. Auch in Frankreich, wo ja
das gute Essen erfunden wurde, schätzt man Rohrzucker sehr, aber das hängt
wohl mit den strategisch platzierten Kolonien zusammen, von denen einige
jetzt keine mehr sind und andere nicht mehr so heißen, sondern zu Landesteilen verschiedenen Ranges
erklärt wurden (DOM-TOM) und damit ganz gut fahren, so dass sich die
Einheimischen größtenteils den Dingen fügen.
Eine Krönung erlebt der Zucker jedoch in einer typischen
kreolischen „Praline“ (in New Orleans sagt man: Praa-lien), die nicht besonders
aussieht, aber warmherzig und gehaltvoll ist und unglaublich sanft. Wie immer
gibt es verschiedene Rezepte, mit oder ohne Sirup oder Milch oder Schokolade.
Immer dabei: Rohrzucker und Pecannüsse, die schmalen, braunen,
dunkel und warm schmeckenden Nüsse mit der knackfreundlichen Schale, die dort
in den Gärten wachsen. Bilder von Pralines hier und hier. Pecans hier.
Montag, 1. Oktober 2012
Ende einer Ära
Meine Freundin Lil schreibt heute auf Facebook:
"Es ist ein melancholischer Montag. Heute früh lag keine Zeitung vor der Tür..., es sei denn, man zählt das "Blau-und-Gold-Extrablatt", das ich persönlich als Beleidigung empfinde... Ich brauche keine Zusammenfassung des Standes von 0:4 für die Saints. Wenn man das drucken und ausliefern kann, warum dann keine richtige Zeitung? Ich habe es vor mir hergeschoben, aber jetzt bin ich so weit, dass ich den Advocate abonnieren werde."*
(It's a blue Monday. No paper on the doorstep this morning... well, not if you don't count the "Black and Gold Extra", which I personally find insulting... I don't need a re-cap of the Saints' 0:4 record. If they can print and deliver that, why can't they give us a real paper? I've been dragging my feet on it, but I'm ready to subscribe to the Advocate.)
*Die Tageszeitung The Advocate aus Baton Rouge hat kürzlich wieder ein Büro in New Orleans eröffnet und erscheint dort mit einer täglichen Ausgabe. Die Times-Picayune, die traditionsreiche und zutiefst verehrte Tageszeitung von New Orleans erscheint ab heute nur noch drei Mal wöchentlich als Druckausgabe.
"Es ist ein melancholischer Montag. Heute früh lag keine Zeitung vor der Tür..., es sei denn, man zählt das "Blau-und-Gold-Extrablatt", das ich persönlich als Beleidigung empfinde... Ich brauche keine Zusammenfassung des Standes von 0:4 für die Saints. Wenn man das drucken und ausliefern kann, warum dann keine richtige Zeitung? Ich habe es vor mir hergeschoben, aber jetzt bin ich so weit, dass ich den Advocate abonnieren werde."*
(It's a blue Monday. No paper on the doorstep this morning... well, not if you don't count the "Black and Gold Extra", which I personally find insulting... I don't need a re-cap of the Saints' 0:4 record. If they can print and deliver that, why can't they give us a real paper? I've been dragging my feet on it, but I'm ready to subscribe to the Advocate.)
*Die Tageszeitung The Advocate aus Baton Rouge hat kürzlich wieder ein Büro in New Orleans eröffnet und erscheint dort mit einer täglichen Ausgabe. Die Times-Picayune, die traditionsreiche und zutiefst verehrte Tageszeitung von New Orleans erscheint ab heute nur noch drei Mal wöchentlich als Druckausgabe.
New Orleans – ein Fragebogen
Interview mit Martha Pinney, 5. Klasse,
Louise Mc Gehee School, New Orleans
New Orleans ist... eine interessante Stadt mit...schönen Bäumen. Ich
mag das Essen.
Lieblingsort in New
Orleans: Das French Quarter. Ich mag
all die Geschäfte, und ich mag das Café du Monde.
Lieblingsgebäude: Ich glaube, das Bradish Johnson House in meiner
Schule, weil es schön ist, und weil es mir gefällt, wie man es in eine Schule
umgestaltet hat.
Was war es denn, bevor es
eine Schule wurde? Es war eine Schule.
Das heißt, eigentlich war es so eine Art Haus, für Menschen, ein ganz normales
Haus, und dann hat man daraus eine Schule gemacht.
Lieblingsessen aus New
Orleans: Beignets, weil die mit
Puderzucker überhäuft werden, eine Schicht nach der anderen, und das macht mich
glücklich.
Lieblingsmusikerin aus New
Orleans: Amanda Shaw, weil ich wegen
ihr angefangen habe, Geige zu lernen. Sie macht tolle Musik auf der Fiddel. Sie
nennt sich Amanda Shaw and the Cute Guys (…und die hübschen Jungs), weil sie das einzige Mädchen in der Band ist
und weil die Jungs im Hintergrund spielen.
Lieblingswort oder
-ausdruck aus New Orleans: Who dat?
Einfach, weil es lustig ist, und weil ich die Saints liebe, und Drew Brees.
Also, who dat.
Passendster Spitzname für
New Orleans: NOLA?
Liebste, hier nicht
erwähnte Sache in New Orleans: Die
Bäume, im City Park. Ich glaube, es ist die größte Ansammlung von Lebenseichen,
und ich klettere gern darauf herum.
Wie kann die Stadt ihre
Mordrate senken? Mehr Polizei, und
man könnte strenger überwachen, wer in der Drogerie Drogen kauft, wer so etwas
kauft, und vielleicht mehr Überwachungskameras.
Warum ich in New Orleans
lebe: Erst einmal kann ich ja nichts
dafür, aber ich würde auch nicht umziehen wollen, weil... erst einmal mag ich
mein Viertel und ich will nicht alle meine Freunde zurücklassen. Ich liebe den
Stil der Häuser. Und wie alt die Stadt ist.
Was ich an New Orleans am
wenigsten mag: Also, mir gefällt es
nicht, dass überall Müll herumliegt, dass ein Teil der Stadt einfach schrecklich
aussieht. Da gibt es alte Gebäude, die nicht abgerissen werden, da gibt es
Projekte, die mittendrin sind und dann einfach aufhören. Ich wünschte, man
könnte das einfach besser handhaben.
Was die meisten nicht über
New Orleans wissen: Ich weiß
eigentlich nur, was alle wissen, also...
Meine New
Orleans-Expertise: Ich lebe in New
Orleans, und bin schon mein ganzes Leben hier.
Glossar:
Louise McGehee School: Private Mädchenschule im Garden District, von
Kinderkrippe bis Highschool. Das Bradish Johnson-Haus ist das Hauptgebäude der
Schule.
Café du Monde: Café am Jackson Square im French Quarter, in das
jeder Tourist geht, um dort mit Zichorie versetzten Kaffee zu trinken und
Beignets zu essen, eine Art Donuts oder Krapfen.
Amanda Shaw... stammt ursprünglich aus Covington, von der
Nordküste des Lake Pontchartrain. Sie trat bereits zwei Mal in der
McGehee-Schule auf.
Who dat? Wörtlich: Wer issn dis? Lautsprachliche New Orleanser
Ausdrucksweise. Jetzt Schlachtruf der Fans der American Football-Mannschaft New
Orleans Saints. Der ganze Spruch lautet „Who dat? Who dat? Who dat say dey
gonna beat dem Saints?“—Wer issn dis? Wer issn dis? Wer sagt’n, dasser die
Saints schlagen wird?
New Orleans Questionnaire
Interview with Martha Pinney, 5th grade, Louise Mc Gehee School in New
Orleans.
New Orleans is... an interesting city with…pretty trees. I like the
food.
Favorite place in New Orleans: The French Quarter. I like
all the shops, and I like the Café du Monde.
Favorite building: I think the Bradish Johnson House in my school,
because it’s pretty and I liked how they re-created it into a school.
What was it before it before it became a school? It was a school.
Well, actually, it was sort of a house for people, just a normal house, and
then they turned it into a school.
Favorite New Orleans food: Beignets, because they just
stack powdered sugar on top of it, layer after layer, and it makes me happy.
Favorite New Orleans musician/s: Amanda Shaw, because she is
the reason I started playing violin. She makes awesome fiddle music. She calls
herself Amanda Shaw and the Cute Guys, because she’s the only girl in the band
and she’s got the guys playing in the background.
Favorite New Orleans word or expression: Who dat? Just because it’s
funny, and I love the Saints, and Drew Brees. And so, who dat.
Most apt New Orleans nickname: NOLA?
Favorite New Orleans thing not mentioned here: The trees, in City
Park. I think it’s the largest collection of live oaks, and I like climbing
them.
How can the city lower its murder rate? More police; they could be
stricter about who buys drugs at the drugstore, who buys stuff like that, and
maybe more surveillance cameras.
Why I live in New Orleans: First of all, I can’t really
help it, but I wouldn’t want to move because… first of all, I love my
neighborhood, and I don’t want to leave all my friends. I love the style of the
houses. And how old the city is.
The thing I like least about New Orleans: Well, I don’t like how there's trash everywhere, how there's a part of the city where everything just
looks awful. There’s old buildings not taken down, there are projects that are
in the middle of projects but they just stop. I wish they could just do better
on that.
What people don’t know about New Orleans is: I basically know
what everyone knows, so...
My expertise on New Orleans: I live in New Orleans, and I've been here my entire life.
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