Hier eine kleine Meldung über Weihnachten in New Orleans von Lafcadio Hearn. Ich habe es übersetzt.
7. Januar 1878
Heiligabend kam von Westen her mit glühend orangefarbener Pracht, und über dem Sonnenuntergang türmten sich Massen von zitronengelben Wolken. Die ganze Stadt war in orangefarbenes Licht getaucht, kurz bevor die Sonne verschwand, und zwischen den zitronengelben Wolken und dem Blau waren zarte Grüntöne. Wie von Zauberhand nahm das Farbenspiel dieses Sonnenuntergangs die Farben der Obststände überall in der Stadt wieder auf, wo sich die goldenen Früchte zu üppigen Bergen türmten und wo statt der Markisen aus weißer Leinwand jetzt lange Arkadengänge aus Orangenzweigen geflochten waren, an denen immer noch die Früchte glänzten. Es war eine orangene Weihnacht.
Und das Original:
January 7, 1878
Christmas Eve came in with a blaze of orange glory in the West, and masses of lemon-colored clouds piled up above the sunset. The whole city was filled with orange-colored light, just before the sun went down; and between the lemon-hued clouds and the blue were faint tints of green. The colors of that sunset seemed a fairy mockery of the colors of the fruit booths throughout the city; where the golden fruit lay piled up in luxuriant heaps, and where the awnings of white canvas had been replaced by long archways of interwoven orange branches with the fruit still glowing upon them. It was an Orange Christmas.
Merry Christmas and Happy Holidays everyone!
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Mittwoch, 23. Dezember 2015
Dienstag, 11. Oktober 2011
Neutral
In New Orleans sind einige Dinge anders als anderswo und oft hat das mit der besonderen Geschichte zu tun. Bei Lafcadio Hearn (1870er Jahre), der den Mythos von New Orleans erschaffen haben soll, liest man, dass New Orleans damals – vor Eisenbahn, Autos und Flugzeugen – vor allem mit dem „Spanish Main“, also dem Golf von Mexiko und der (spanischsprachigen) Karibik, verbunden war. Bei seinem Zeitgenossen George Washington Cable, einem Anglo, der über die Kreolen und ihre Bräuche und Sprache schrieb, versteht man, dass die Stadt viele Jahrzehnte nach dem Louisiana Purchase (dem Kauf Louisianas durch die Amerikaner) immer noch französisch kultiviert war. Der Bürgerkriegsschinken Traum von Louisiana (Wild is the River) von Louis Bromfield zeigt, dass es auch um den Konflikt der unterschiedlichen Kulturen und Temperamente ging.
Im French Quarter (dem französischen Viertel) oder Vieux Carré wohnten damals die französischsprachigen Kreolen, während sich die zuziehenden Amerikaner jenseits der Canal Street im heutigen Central Business District ansiedelten. Der Streifen, der die Grenze zwischen den verfeindeten Bevölkerungen markierte, soll der Legende nach der Mittelstreifen auf der Canal Street gewesen sein, dass was man in den restlichen USA „median (strip)“ (Mittelstreifen) nennt. In New Orleans ist das der „neutral“ oder „neutral ground“ (sprich: njutrel).
Vor allem der neutral auf der St. Charles Avenue ist heutzutage äußerst belebt: die Straßenbahn rattert hin und her, zwischendurch wird gejoggt, der Hund ausgeführt, rauchend telefoniert usw. Zum Karneval stellt man dort Picknickstühle und Stehleitern entlang der Umzugsrouten auf. Viele der großen Straßen in New Orleans haben neutrals. Und „Amerikaner“ und Kreolen verstehen sich jetzt meistens eigentlich ganz gut.
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