Gestern fand im Hotel Hyatt Regency in New Orleans eine exklusive Benefizgala für Brad Pitts Wiederaufbauprojekt Make It Right statt. Der Star selbst war natürlich anwesend, ebenso wie die Komikerin Ellen DeGeneres (aus New Orleans, sehr witzig, mit eigener Talkshow)* und der Footballspieler Drew Brees. Die Gäste bezahlten zwischen 1000 und 2500 Dollar für die Teilnahme und erhielten dafür ein Vier-Gang-Menü von lokalen Kochkoryphäen wie Emile Lagasse, ein Kulturprogramm mit Rihanna, Sheryl Crow, Seal und dem New Orleanser Jazzpianisten Dr. John sowie eine After-Party mit Kanye West, Snoop Dog und anderen.
Anscheinend kämpft das spektakuläre Projekt ein wenig mit den Mühen der Ebene, jetzt wo circa die Hälfte der 150 geplanten Häuser gebaut sind. Wie ich bereits hier berichtete, sind dies hurrikansichere, energiesparende, ökologische und gestalterisch avantgardistische Entwürfe von weltberühmten Architekten. Aus Kostengründen wurde bei den letzten Häusern bereits auf einige Designeigenschaften verzichtet. In der Mitte dieses Artikels in der New Orleans Times-Picayune findet sich übrigens ein kleines Video, in dem einige der fertiggestellten Häuser zu sehen sind.
* Ellen DeGeneres ist auch als bekennende Lesbierin bekannt. Erst im Februar hatte die konservative Gruppe One Million Moms dagegen protestiert, dass sie jetzt als offizielles Gesicht der Einkaufskette JC Penney firmiert.
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Sonntag, 11. März 2012
Mittwoch, 15. Februar 2012
Global Salon: New Orleans - heute in New York
Prominente aus New Orleans, das sind vielleicht Musiker oder Schriftsteller, oft auch schon tot, dann noch die Komikerin Ellen DeGeneres, die Journalistin Cokie Roberts und ein paar andere, aber sonst? Und meistens leben sie dann auch nicht mehr in New Orleans, wenn sie berühmt werden.
Eine aus New Orleans stammende Prominente unter Übersetzern und Kennern deutscher Literatur ist Susan Bernofsky, Übersetzerin von Robert Walser, Yoko Tawada und anderen modernen Klassikern ins Englische. Letzte Woche, kurz bevor sie das Festival Neue Literatur mit jungen deutschsprachigen Schriftstellern in New York ausrichtete, wurde bekannt, dass sie den mit 15.000 Euro dotierten Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis erhält, für ihre Übersetzung von Siddharta und für ihr Gesamtwerk. Sie ist auch Vorsitzende des Übersetzungskomitees des PEN, lehrt am Queens College, schreibt selbst Bücher, Essays und Artikel und betreibt den den Blog translationista.
Susan Bernofsky reist viel, auch gern nach Berlin, und ist überhaupt äußerst aktiv. Heute Abend (19 Uhr) tritt sie im New Yorker The Greene Space in einem Global Salon: New Orleans auf, zusammen mit dem Musiker Terence Blanchard und dem Terence Blanchard Quintet.
Terence Blanchard ist Trompeter und Komponist und spätestens aus Spike Lees bewegendem Dokumentarfilm When the Levees Broke (2006) bekannt (hier und hier), wo zu sehen ist, wie er mit seiner Mutter in ihr während Katrina überflutetes und verwüstetes Haus zurückkehrt. Seitdem hat er an verschiedenen Filmen mitgewirkt und 2010 einen Grammy für Best Instrumental Jazz Solo Performance erhalten, für den Titel "Dancin' 4 Chicken'. Er komponierte auch die Musik für eine aktuelle Aufführung von Tennessee Williams' A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht) auf dem Broadway. Auch er lebt nicht mehr in New Orleans.
Mit diesem Global Salon endet heute eine Reihe, in der es u.a. um Japan, Ägypten und Schweden ging. Der Abend soll eine explosive Reise mit Musik, Kultur, Kunst und Film sein, wobei der Wiederaufbau und Umweltinitiativen die Grundlage des Salons bieten sollen. Das Ganze in 1,5 Stunden für 30 Dollar. Und: "Evening includes a complimentary glass of wine or beer and snacks that honor the country of exploration." (An dem Abend wird ein Glas Wein oder Bier gereicht und Snacks, die das zu erkundende Land würdigen.)
Na, dann wünsche ich New Yorkern und Gästen ein mundendes Erkunden von New Orleans, diesem fremden Land...
Eine aus New Orleans stammende Prominente unter Übersetzern und Kennern deutscher Literatur ist Susan Bernofsky, Übersetzerin von Robert Walser, Yoko Tawada und anderen modernen Klassikern ins Englische. Letzte Woche, kurz bevor sie das Festival Neue Literatur mit jungen deutschsprachigen Schriftstellern in New York ausrichtete, wurde bekannt, dass sie den mit 15.000 Euro dotierten Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis erhält, für ihre Übersetzung von Siddharta und für ihr Gesamtwerk. Sie ist auch Vorsitzende des Übersetzungskomitees des PEN, lehrt am Queens College, schreibt selbst Bücher, Essays und Artikel und betreibt den den Blog translationista.
Susan Bernofsky reist viel, auch gern nach Berlin, und ist überhaupt äußerst aktiv. Heute Abend (19 Uhr) tritt sie im New Yorker The Greene Space in einem Global Salon: New Orleans auf, zusammen mit dem Musiker Terence Blanchard und dem Terence Blanchard Quintet.
Terence Blanchard ist Trompeter und Komponist und spätestens aus Spike Lees bewegendem Dokumentarfilm When the Levees Broke (2006) bekannt (hier und hier), wo zu sehen ist, wie er mit seiner Mutter in ihr während Katrina überflutetes und verwüstetes Haus zurückkehrt. Seitdem hat er an verschiedenen Filmen mitgewirkt und 2010 einen Grammy für Best Instrumental Jazz Solo Performance erhalten, für den Titel "Dancin' 4 Chicken'. Er komponierte auch die Musik für eine aktuelle Aufführung von Tennessee Williams' A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht) auf dem Broadway. Auch er lebt nicht mehr in New Orleans.
Mit diesem Global Salon endet heute eine Reihe, in der es u.a. um Japan, Ägypten und Schweden ging. Der Abend soll eine explosive Reise mit Musik, Kultur, Kunst und Film sein, wobei der Wiederaufbau und Umweltinitiativen die Grundlage des Salons bieten sollen. Das Ganze in 1,5 Stunden für 30 Dollar. Und: "Evening includes a complimentary glass of wine or beer and snacks that honor the country of exploration." (An dem Abend wird ein Glas Wein oder Bier gereicht und Snacks, die das zu erkundende Land würdigen.)
Freitag, 2. Dezember 2011
Brangelina in New Orleans
Im Jahr 2007 kauften Brangelina für 3,75 Millionen Dollar im French Quarter eine Villa, mit zwei Parkplätzen, absoluter Luxus. Und als sie dort so in New Orleans waren, fiel Brad Pitt auf, dass die Lower Ninth Ward, die ungefähr 7 Kilometer und viele Lichtjahre von dort entfernt liegt, nach dem Hurrikan Katrina 2005 immer noch in Trümmern lag. Die Lower Ninth Ward ist das Viertel, das im Osten der Stadt direkt am Industrial Canal liegt und unmittelbaren von den brechenden Dämmen betroffen war. Das Viertel wurde praktisch in den Fluten weggeschwemmt, Häuser angehoben und auf Autos wieder abgesetzt, in einander geschoben, völlig zerschmettert. Als ich vier Monate später das erste Mal dort war, lag auch der eiserne Schleppkahn noch da, der den Damm durchbrochen hatte und auf einem kleinen Schulbus zum Liegen gekommen war. Die Lower Ninth Ward wurde symbolisch für den vermeintlichen Untergang von New Orleans, den manche, die die Stadt nicht kennen, immer noch süffisant beschwören.
Möglicherweise wäre es das Ende von Teilen der Lower Ninth Ward gewesen. Es ist ein abgelegenes Viertel, ein schwarzes Arbeiterviertel, in dem vielen Leuten ihr Haus gehörte, die aber keine Versicherung hatten oder nicht die Mittel zurückzukehren, wieder aufzubauen, und vielleicht als einzige in einer Brache zu leben?
Also gründete Brad Pitt, der sich für Architektur interessiert, das Projekt Make it Right, rekrutierte renommierte Architekten aus aller Welt und sammelte Geld, damit die Familien, die es wollten, in hypermoderne, nachhaltige und flutsichere Häuser einziehen können. Dass sie von der Architekturtradition in New Orleans beeinflusst sein sollen, sieht man aber nur daran, das sie länglich und die Räume hinter einander angeordnet sind. Ich war skeptisch, denn im Internet sahen die Entwürfe aus, als wären UFOs in der Pampa gelandet, und in einer so traumatisierten, so traditionsstarken Stadt wie New Orleans, erschien mir das blasphemisch. In meinem Artikel schrieb ich damals:
„Auch Brad Pitts Projekt Make it Right New Orleans will es den ursprünglichen Bewohnern ermöglichen, in ihr Viertel zurückzukehren. Es sieht durch Spenden mitfinanzierte, ökologisch nachhaltige Einfamilienhäuser auf einem ausgedehnten Areal in der Lower Ninth Ward vor, das er als symbolisch für die Seele von New Orleans erachtet. Renommierte Architekten aus aller Welt tragen in ihren Entwürfen der Gefahr von Hurrikanen und Überflutungen Rechnung und, dem Bekenntnis nach, auch örtlich tradierten Baustilen. Die Pläne zeigen hochqualitatives Design nach ökologischen Prinzipien: Häuser auf hohen Stelzen, Solarpaneele, innovative Kühlung und Wärmedämmung, aber auch hohe offene Räume und schräge Wände und Fenster, die sich nur lose an Lokalem orientieren. Pitt wollte die Chance ergreifen, auf einer Art Tabula rasa („blank slate“) etwas Zukunftsweisendes zu schaffen. Die Prämisse vom unbeschriebenen Blatt ist unter einer Schicht von Neubewohnern im Gesundheitswesen, Architektur, Stadtplanung oder Bildung verbreitet, die mit Non-Profit-Organisationen, Stiftungen und Firmen in die Stadt kamen. Doch sie ist anmaßend, denn auch Menschen, die womöglich bei Null beginnen, kommen mit ihrer eigenen Geschichte und Kultur. Der Autor Kalamu Ya Salaam spricht sogar von einem Friedhof: ‚Leute kamen ums Leben, und die bauen auf ihren Gebeinen’. Wohl meinenden Zugezogenen wirft man deshalb auch vor, nur oberflächlich mit den Einheimischen zu interagieren und sie zu bevormunden.“
Doch als ich vor zwei Jahren in New Orleans war und wir zur Besichtigung durch das Viertel fuhren, da standen tatsächlich lachende Hausbesitzer vor den Türen und auf den Veranden und winkten, und so habe ich meine Meinung geändert. Damals standen ungefähr neun Häuser, jetzt sollen es an die fünfundsiebzig sein. Im März 2012 findet übrigens eine große Spendengala statt, an der auch die aus New Orleans gebürtige Komikerin Ellen DeGeneres (sprich: DeDschenneris) teilnehmen wird. Es gibt Skeptiker, die sich zum Beispiel fragen, warum schon wieder Spenden notwendig sind. Ein Internetkommentator nannte das ganze Make It Left (make it right—es etwas berichtigen, make it left, es links zu machen). Natürlich ist es einfach, ökologisch, links und sozial zu sein, wenn man sich eine Sechs-Zimmer-Villa in der 521 Governor Nicholls Street im French Quarter als Wochenendlaube leisten kann. Aber nett ist es doch! Und fünfundsiebzig Familien leben jetzt wieder dort, wo sie heimisch waren.
Übrigens wollten bei den letzten Wahlen zum Bürgermeister 2009 einige Brad Pitt als Kandidaten aufstellen. Er ist es dann aber doch nicht geworden...
Übrigens wollten bei den letzten Wahlen zum Bürgermeister 2009 einige Brad Pitt als Kandidaten aufstellen. Er ist es dann aber doch nicht geworden...
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