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Freitag, 18. April 2014

Bob Kaufman


Große Lyriker aus den Südstaaten gibt es nicht so viele wie Prosaautoren, das hatten wir schon mal festgestellt. Aber hier ist einer: Der Beat-Dichter Bob Kaufman, der am 18. April1925 in New Orleans geboren wurde. Dort wuchs er, je nach Quelle, als eines von 13 oder 14 Kindern eines deutschstämmigen orthodoxen Juden und einer afroamerikanischen bzw. aus Martinique stammenden Katholikin auf (er schrieb: „my negro suit has jew stripes“). An beider Religionen hatte er als Kind teil, aber später bekannte er sich zum Buddhismus. Seine Großmutter soll Voodoo praktiziert haben. Laut einer Studie wuchs er in der Seventh Ward auf, und beide Eltern gehörten der kreolisch-afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe in New Orleans an. Er selbst sprach auch kreolisches Patois. Mit neunzehn ging er zur Handelsmarine und umrundete in 20 Jahren neun Mal die Welt und erlebte vier Schiffbrüche. An Land studierte er kurzzeitig an der New York School, wo er Allen Ginsberg und William Burroughs kennenlernte.
Mit ihnen zog er nach San Francisco, wo er meist in North Beach lebte. Er soll den Terminus „Beatnik“ geprägt haben und war einer der Mitbegründer der Zeitschrift Beatitude. Dass er weniger bekannt ist als die übrigen, liegt daran, dass von ihm nur wenige Gedichte in Lyrikbänden erschienen sind. Er verstand sich als Poet in der mündlichen Tradition und trug seine Gedichte auf den Straßen San Franciscos oder in Kaffeehäusern vor. Oft wurde er dabei für einen Obdachlosen oder Bettler gehalten, und 1959 soll er 39 Mal festgenommen worden sein.
Seine Lyrik ist vom Jazz inspiriert, oft synkopiert und von Musik begleitet („Jazz is an African traitor“ schrieb er in Solitudes) und wird auch als surrealistisch bezeichnet. Deshalb nannte man ihn auch „the original bebop man“ und in Frankreich manchmal „Rimbaud noir“.
Nach dem Attentat auf Präsident Kennedy 1963 erlegte er sich Schweigen auf, das er erst nach dem Ende des Vietnamkriegs mit dem berühmten Gedicht All those ships that never sailed brach. Es ist vermutlich von einem Gedicht von Leonard Cohen inspiriert, siehe hier. (Nicht ungewöhnlich: Paul Celans Todesfuge ist eine Adaption und Perfektionierung eines Gedichts von Immanuel Weissglas.)
Bei Kaufman ist es sein poetisches Verfahren, denn für ihn ist die Welt voller Poesie, die um seinen Kopf herumwirbelt und die er aufgreift. Er wollte auch nicht, dass seine Gedichte abgedruckt werden, und so ist es vor allem seiner Frau Eileen zu verdanken, dass einige überliefert sind, weil sie fleißig mitgeschrieben hat. Bekannt ist er vor allem für sein Abomunist Manifesto, Solitudes Crowded with Loneliness (1982 Deutsch von Udo Breger als Eremit in San Francisco), Golden Sardine und The Ancient Rain. Er starb 1986 im Alter von nur 60 Jahren.
Bob Kaufman ist legendär und sagenumwoben, und über sein Leben ist nicht viel bekannt. Folgerichtig trägt seine Biographie von Mel Clay Jazz Jail and God (Jazz, Gefängnis und Gott) den Untertitel „Impressionistic Biography“. „I want to be anonymous... my ambition is to be completely forgotten,“ hatte Bob Kaufman erklärt. Letzteres hat dann doch nicht geklappt: Gestern gab es in New Orleans im Gold Mine Saloon einen Tribute für ihn mit Brenda Marie Osbey und anderen Dichtern mit einem kleinen Jazzensemble. Hier einige Erinnerungen von A.D. Winans. 

Freitag, 28. Oktober 2011

Lyrik in Louisiana

Letzte Woche sprach ich mit der (großartigen, in Berlin lebenden) Lyrikerin Donna Stonecipher darüber, dass New Orleans zwar immer eine große Inspiration für die Prosa war und ist, ich aber keine ganz große und bekannte Poesie kenne. Das sei typisch für den Süden generell, meinte sie.
Just da erhielt doch am 21. Oktober 2011 der Lyriker Yusef Komunyakaa in New York den mit 100.000 Dollar dotierten Wallace Stevens Award. Komunyakaa (geboren 1947) wuchs in Bogalusa, rund 120 Kilometer nördlich von New Orleans, auf und diente im Vietnam-Krieg. Seine Poesie gilt als eine der besten über Vietnam; er verarbeitete aber auch Themen der Bürgerrechtsbewegung, Afrika und hat mit Jazzlyrik experimentiert. Geprägt durch seine Zeit als Lehrer, Professor und Lyriker in der Stadt, gilt er zumeist als New Orleanser Lyriker. Derzeit ist er Professor für Kreatives Schreiben an der New York University. Jetzt habe auch ich endlich einige seiner Gedichte gelesen; eines davon will ich gleich nächste Woche mit meinen Studenten besprechen. Hier eine Hörprobe.
Am Sonnabend, den 29. Oktober findet das Louisiana Book Festival in Baton Rouge statt, mit unzähligen Lesungen und Workshops über den Tag und die Stadt verteilt. Teilnehmen werden auch Lyriker aus dem ganzen Bundesstaat, darunter auch Poet Laureate Julie Kane (die für mehrere Jahre offiziell ernannte Staatsdichterin, die das Bewusstsein für die Lyrik erhöhen soll. Gibt es auch auf nationaler Ebene und ist dem Hofdichter in England nachempfunden). Beim Festival wird auch der Louisiana Writer Award verliehen, dieses Mal an den Romanautor James Wilcox; 2007 hatte ihn Yusef Komunyakaa erhalten.
Jetzt auch in Louisiana und an der Louisiana State University sehr aktiv ist die Lyrikerin Laura Mullen, ursprünglich aus Los Angeles. Über New Orleans und die Lyrik bald mehr.