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Freitag, 17. August 2012

Im Radio

Ende des Monats jährt sich der Hurrikan Katrina mit nachfolgender Überflutung zum siebenten Mal und auch NPR wird wohl wieder darüber berichten, vielleicht auch, wie jedes Jahr, dieselbe Familie in New Orleans anrufen, um zu sehen, wie es so steht.
Anfang dieser Woche gab es auch einige kleine Berichte aus New Orleans:
& Tell Me More sprach mit der Autorin und Journalistin Gwen Thompkins, die seit einiger Zeit für den lokalen NPR-Sender eine neue Sendung macht, Music Inside Out (Musik in- und auswändig). Dafür interviewt sie Musikmenschen aus Louisiana: Musiker, Autoren, Komponisten, Produzenten usw. Dabei waren bisher Irma Thomas, Allen Toussaint und die Opernsängerin Givonna Joseph mit der Opéra Créole. Das vollständige Interview findet sich hier
Bei der Gelegenheit habe ich noch ein ganz neue NPR-Sendung in New Orleans entdeckt: Out to Lunch (Zu Tisch), wo ein Finanzprofessor der Tulane University neue Unternehmer im Commander’s Palace zum Mittagessen trifft, darunter jemanden, der für seine Kunden in Houston, Texas, bei IKEA einkauft und die Möbel auch zusammenbaut (Bluebag), einen Fitnessguru und das Geschäft The Occasional Wife (Die gelegentliche Ehefrau), die man anheuern kann, damit sie den Haushalt und das Familienleben organisiert.
& Marketplace berichtete, dass der Posaunist Stafford Agee von der Rebirth Brass Band seit einem halben Jahr auch Blasinstrumente repariert, in seiner Firma Rebirth Instrument Repair. Er erzählt, dass das besonders für die Schüler in den Schulorchestern wichtig ist, weil ein gut funktionierendes Instrument ihre Motivation erhöht. Das erinnert mich an den jungen Musiker Dinerall Shavers, (2007 erschossen; ich habe hier über ihn geschrieben), der meinte, dass man, wenn man ein Instrument in der Hand hat, keine Waffe in der Hand haben kann. Es ist sozusagen Stafford Agees Flügelschlag des Schmetterlings. Abends steht er weiterhin mit der wohl beliebtesten Band der Stadt auf der Bühne. Das Unternehmen finanziert sich zu einem Teil aus Spenden. Das Gespräch ist hier.
& Noch einmal auf Tell Me More ging es um den Botanischen Garten von New Orleans, der sich im City Park befindet und natürlich in den Fluten auch verwüstet wurde. Der Direktor Paul Soniat, der einer alten New Orleanser Familie entstammt, spricht über die große Hilfsbereitschaft, die dem Botanischen Garten einen Neuanfang ermöglichte. Die Interviewerin fragt den Direktor auch noch über sein Hobby, das Musikmachen, und schließlich wird sein bekanntestes Stück, Below the Waterline, eingespielt, das in Folge von Katrina entstand. Nur in New Orleans, oder? Das Gespräch ist hier.

Freitag, 6. Juli 2012

Essence

Vom 5. bis 8. Juli ist das diesjährige Essence Music Festival, das seit 1995 jährlich (mit Ausnahme von 2006) in New Orleans stattfindet. Es ist ein Festival der afroamerikanischen Musik, das von der Frauenzeitschrift Essence ausgerichtet wird, einer Zeitschrift für schwarze berufstätige Frauen, die ich übrigens auch eine Zeit lang gelesen habe. Die andere schwarze Frauenzeitschrift, Ebony, gibt es bereits seit 1945, Essence erst seit 1970 (entstand also aus der 68er Bewegung) und hat ausdrücklich das Ziel, Frauen zu empowern (also zu bestärken, ermächtigen). Zum Beispiel hatte Essence eine Kampagne gegen frauenfeindliche Texte im Hip Hop.
Beim diesjährigen Festival treten neben der genialen New Orleanser Blaskapelle Rebirth Brass Band, auch die Pointer Sisters, Chaka Khan, Aretha Franklin und viele andere auf. Das vollständige Programm ist hier.
Die Konzerte finden im Superdome-Footballstadium und im Ernest. M. Morial Convention Center statt, und das ruft bei mir wiederum unangenehme Erinnerungen wach. Es waren nämlich dies die beiden Orte, aus denen während der menschgemachten Katastrophe nach Hurrikan Katrina tagelang Bilder um die Welt gingen, von gestrandeten, mittellosen Geflüchteten, meist Schwarzen, die dort wochenlang ohne Hilfe ausharrten.
Als ich 2006 am Convention Center vorbeilief, stand es noch leer, und der Superdome wurde im September 2006 vor 70.000 Zuschauern, Altpräsident Busch, U2 und anderen mit einem Sieg der New Orleans Saints wieder eingeweiht. Vielleicht setzt ja das Essence Music Festival genau das richtige Zeichen an dieser Stelle: mit guter Musik, die längst nicht nur Schwarze gern hören. 

Montag, 13. Februar 2012

Neues vom Wochenende

Dieses Wochenende liefen wieder mehrere Paraden, wegen der kurzen Karnevalssaison in diesem Jahr etwas geballt. Gestern war dabei wieder die Barkus-Parade (Anspielung auf die berühmte Bacchus-Parade, die am 19.2. marschiert). "To bark" heißt natürlich "bellen", tja und so ist es denn auch eine Hundeparade. Einen kleinen Film findet man auf nola.com rechts unten unter Krewe of Barkus. Fotos finden sich hier.
Auch an diesem Wochenende fand die Verleihung der Grammy Awards statt, überschattet von Whitney Houstons Tod. Die britische Sängerin Adele und einige andere haben ziemlich viele Preise abgeräumt. Aber einen großen Erfolg für New Orleans gab es auch: Die heißgeliebte, ur-New-Orleansische Rebirth Brass Band erhielt einen Grammy in der Kategorie "Regional Music", die, und das war nicht ganz unumstritten, neu aus den früheren Kategorien Cajun/Zydeco, Polka, hawaiische und indianische Musik geschaffen wurde. Der Sousaphon-Spieler Phil Frazier hatte früher einmal gesagt, er möchte lieber einen Grammy gewinnen als reich sein, was ja schon mal geklappt hat. Und auf dem Weg zur Bühne meinte er wohl, hoffentlich falle ich nicht in Ohnmacht, ist er aber wohl nicht. 
Die Band wird jetzt schnell wieder aus Los Angeles zurückkehren, um ihren traditionellen Dienstagsgig im Maple Leaf in New Orleans zu spielen und vom 16. bis 18. Februar im Howlin' Wolf. Siehe auch meinen früheren Eintrag zum Sousaphon und zur Rebirth Brass Band. Und auf diesem Youtube-Video vom Aufwärmen vor einem Konzert sieht man den Sousaphonisten besonders gut.