Fats Domino wird heute 85 Jahre alt (hier im Südkurier). Bekannt ist er wohl vor allem für Titel wie "Blueberry Hill" oder "I'm Walkin'". Eigentlich heißt er Antoine, ist kreolischer Abkunft und wie der Name sagt ein wenig rundlich. Während Hurrikan Katrina hatte man ihn für tot gehalten, bis er mit dem Hubschrauber aus seinem überfluteten Haus in der Lower Ninth Ward gerettet wurde. Nach Katrina veröffentlichte er die Platte Alive and Kickin' (Mopsfidel?), deren Erlöse der Tipitina Foundation zugute kommen.
In der dritten Staffel der Fernsehserie Treme hat er einen kleinen improvisierten Auftritt in seinem Bürogebäude. Sein durch Katrina ramponierter Flügel ist jetzt im Louisiana State Museum im Cabildo im French Quarter ausgestellt, siehe hier (wo in den Eingangsarkaden auch ein Boot steht, mit dem jemand Katrinaopfer gerettet hat; wer habe ich leider vergessen).
Im Herbst habe ich ein Foto von seinem Haus gemacht, das vielleicht doch nur sein Büro ist. Es heißt, dass er jetzt in einem Vorort lebt.
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Dienstag, 26. Februar 2013
Montag, 31. Oktober 2011
Tipitina
Tipitina war der Name der ersten Katze, die ich je betreut habe. Sie gehörte dem Schriftsteller Andrei Codrescu, der für seine Romane, Gedichte, Essays, Radiofeuilletons über New Orleans bekannt ist, oder vielmehr gehörte sie seiner Frau Laura Rosenthal. Tipi, so ihr Spitzname, war groß, schwarz und immer hungrig. Wahrscheinlich wolle sie meine Loyalität testen, meinte Andrei damals. Dabei ist doch Loyalität mein zweiter Vorname („my middle name“), wie man in Amerika sagt! Meine eigene schwarze Katze aus Louisiana lebt seit 11 Jahren bei mir, und sie testet mich auch immer noch.
„Tipitina“ heißt aber vor allem ein bekanntes Musikstück der New Orleanser Legende Professor Longhair (1918-1980), das inzwischen unzählige Male aufgenommen wurde (so auch von Hugh Laurie). Für den Folkloristen Nick Spitzer, u.a. Moderator der Radiosendung American Routes (die NPR Berlin leider nicht ausstrahlt), vereint „Tipitina“ mehr von New Orleans in sich, als man in vielen Worten sagen könnte: klassische Musik, alte Hochkultur, französische, spanische, angloamerikanische Elemente, Côtillion-Musik, Ballmusik, Parlormusik, Soul, R & B und Jazz. Ihm, und auch mir, gefällt besonders die Version des großen Allen Toussaint.
Tipitina’s heißt auch ein unscheinbarer, aber famoser Musikklub an der Ecke Napoleon Avenue und Tchoupitoulas Street, ungefähr zwei Minuten von meiner letzten Wohnung entfernt. Von der Eröffnung 1977 bis zu seinem Tod soll Professor Longhair dort häufig gespielt haben. Innen gibt es eine kleine Bühne und einen ersten Rang, und alles, was in New Orleans etwas auf sich hält, tritt dort auf. Jeden zweiten Sonntag ab halb sechs ist dort Cajun Fais Do Do, d.h. live Cajun-Musik, zu der man die traditionellen louisianischen Tänze vom Lande tanzt (Und das macht Spaß!!).
Die Tipitina’s Foundation (Stiftung) ist seit dem Hurrikan Katrina besonders aktiv, um betroffene Musiker zu unterstützen, die häufig in den überschwemmten Gebieten lebten und alles verloren hatten. Fats Domino soll die Erlöse seiner letzten Platte gespendet haben, und der Schauspieler und Satiriker Harry Shearer hat in einer Quizsendung 50.000 Dollar für die Stiftung gewonnen.
Manche Leute haben noch einen Koffer irgendwo stehen. Ich hatte lange nach meiner Rückkehr noch eine schöne (rund 300 Dollar werte) Gitarre in Louisiana. Bei meinem vorletzten Besuch 2007 habe ich sie der Tipitina's Foundation vermacht. Und wer weiß, vielleicht ist sie ja inzwischen schon mal im Tipitina’s aufgetreten?
Donnerstag, 8. September 2011
Ein Engländer in New Orleans
Der britische Schauspieler Hugh Laurie, alias Dr. House aus der gleichnamigen Serie, hat sein Debütalbum Let Them Talk als Pianist herausgebracht, und zwar mit seinen Interpretationen von Stücken aus New Orleans und dem Mississippidelta. Ein Teil der Aufnahmen wurde in New Orleans gemacht. Die Musik-Koryphäen Allen Toussaint (von dem er sich ein paar Klaviertricks abgeguckt hat), Dr. John und Irma Thomas spielen auch mit; Allen Toussaint und Irma Thomas waren auch bei Live-Aufnahmen für ein Fernsehfeature dabei (in Latrobe's im French Quarter). Im Mai war das Album in den britischen Charts auf dem 2. Platz gleich hinter Adele.
Hugh Laurie erzählt von seinem langen Interesse für New Orleans und seine Musik, die für ihn immer pure Liebe und Leben und Glück und Freude ausstrahlte und gleichzeitig eine gewisse trauervolle Seite hatte. Selbstironisch (typisch englisch?) weist er darauf hin, dass er nicht im herkömmlichen Sinne qualifiziert ist: „...nicht in den 1890ern in Alabama geboren, nie Grits gegessen, nie mein Stückchen Pachtland bewirtschaftet, nie im Güterwagen gereist“, und meint im Interview auf NPR: „...es ist leichter für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu passen, als für einen reichen Mann eine Bluesplatte zu machen“.
Hugh Laurie erzählt von seinem langen Interesse für New Orleans und seine Musik, die für ihn immer pure Liebe und Leben und Glück und Freude ausstrahlte und gleichzeitig eine gewisse trauervolle Seite hatte. Selbstironisch (typisch englisch?) weist er darauf hin, dass er nicht im herkömmlichen Sinne qualifiziert ist: „...nicht in den 1890ern in Alabama geboren, nie Grits gegessen, nie mein Stückchen Pachtland bewirtschaftet, nie im Güterwagen gereist“, und meint im Interview auf NPR: „...es ist leichter für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu passen, als für einen reichen Mann eine Bluesplatte zu machen“.
Die im Internet zu hörenden Stücke können sich tatsächlich hören lassen. Es sind kühne Interpretationen: „Swanee River“ spielt er schnell und jauchzend, den geschichtsgeladenen Klassiker „Tipitina“ stark synkopiert, und es funktioniert irgendwie. In einem schwärmerischen Artikel in der New York Times kann man ein kleines Video mit „St. James Infirmary“ sehen, und dort und auf NPR die übrigen Stücke hören.
Ob er das Album vielleicht auch Let Them Talk (Lasst sie reden) genannt hat, weil er nicht weiß, wie es in der Stadt aufgenommen werden wird? Keine Angst: Die große alte Dame New Orleans ist sehr gütig, wenn man sie verehrt.
Sir Tom Jones (ja, der Tom Jones von „What’s New Pussycat?“ und „It's Not Unusual“, übrigens Waliser) ist auch mit auf dem Album vertreten. Beim diesjährigen Jazz Fest im April war er der Star, und es sollen sogar Damenschlüpfer geflogen sein, und dabei ist doch Jazz Fest was für die ganze Familie! Hier ist seine Version von „St. James Infirmary“.
P.S. Noch ein Nachtrag zu Tropical Storm Lee: Louisiana kam dieses Mal mit leichten Überflutungen davon, doch in Texas haben seine Winde nach monatelanger Dürreperiode Brände ausgelöst, die bereits 14.000 Wohnhäuser verschlungen haben. Und in Pennsylvania wird jetzt gerade am Susquehanna River wegen des erwarteten Hochwassers evakuiert.
Ob er das Album vielleicht auch Let Them Talk (Lasst sie reden) genannt hat, weil er nicht weiß, wie es in der Stadt aufgenommen werden wird? Keine Angst: Die große alte Dame New Orleans ist sehr gütig, wenn man sie verehrt.
Sir Tom Jones (ja, der Tom Jones von „What’s New Pussycat?“ und „It's Not Unusual“, übrigens Waliser) ist auch mit auf dem Album vertreten. Beim diesjährigen Jazz Fest im April war er der Star, und es sollen sogar Damenschlüpfer geflogen sein, und dabei ist doch Jazz Fest was für die ganze Familie! Hier ist seine Version von „St. James Infirmary“.
P.S. Noch ein Nachtrag zu Tropical Storm Lee: Louisiana kam dieses Mal mit leichten Überflutungen davon, doch in Texas haben seine Winde nach monatelanger Dürreperiode Brände ausgelöst, die bereits 14.000 Wohnhäuser verschlungen haben. Und in Pennsylvania wird jetzt gerade am Susquehanna River wegen des erwarteten Hochwassers evakuiert.
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